190. Geburtstag von Friedrich Engels

Am 4. Dezember 2010 fand in der Ladengalerie der Jungen Welt eine Gedenkveranstaltung zum 190. Geburtstag von Friedrich Engels statt. Eingeladen hatten die Brandenburgischen Landesverbände der DKP, KPD und KPF. Trotz der schlechten Witterung und der sparsamen Vorankündigung kamen etwa fünfzig Teilnehmer zu dieser niveauvollen Würdigung.

Zuerst sprach Prof. Götz Dieckmann, letzter Rektor der Parteihochschule der SED. Sein Beitrag galt vor allem Friedrich Engels als Philosoph, Revolutionär und bester Freund von Karl Marx. Mich beeindruckte vor allem die Darstellung der Menschlichkeit Friedrich Engels‘. Der Hörer bekam einen nachhaltigen Eindruck vom Schaffen dieses besonderen Menschen, der in vielen Darstellungen im Schatten seines Freundes stand – vielleicht mitverursacht durch die ausgeprägte Bescheidenheit Engels‘. Eigene Arbeiten stellte er zurück, vor allem nach Marx‘ Tod. Ihm war es wichtiger, „Das Kapital“ als Gesamtwerk erscheinen zu lassen, als an seiner „Dialektik der Natur“ weiterzuarbeiten, nicht nur aus freundschaftlicher Verbundenheit, sondern auch aus einem hohen Verantwortungsgefühl. Was hätte ein halbfertiges Jahrhundertwerk wie „Das Kapital“ bewirken können?

Prof. Zbigniew Wiktor, Mitglied der Kommunistischen Partei Polens, sprach über „die aktuellen Bezüge in den Arbeiten Friedrich Engels“, nach einer ausgiebigen Schilderung der heutigen Situation in China. Dem Universitätsprofessor aus Wrozlaw ging es im Besonderen um die praktische Umsetzung der theoretischen Erkenntnisse von Marx, Engels und Lenin, im Hinblick auf die Niederlage der europäischen Arbeiterbewegung. „190 Jahre nach Friedrich Engels Geburtstag müssen wir die marxistische Wissenschaft neu betrachten.“

Abschließend verwies Prof. Anton Latzo, der Fachmann der Außenpolitik aus der Potsdamer DKP-Gruppe, mit seinem sehr interessanten Bericht auf die Frage der Außenpolitik, wie sie Friedrich Engels forderte. Die Arbeiterklasse besitzt heute weder eine gemeinsame Strategie zur Außenpolitik, die unsere Klassiker aber schon damals gefordert hatten, noch wird sie wissenschaftlich praktiziert.

Dieses würdige Gedenken an Friedrich Engels, dem Mitbegründer des historisch-dialektischen Materialismus, diente u.a. dem Ziel, linke Kräfte zusammenzuführen und ihnen den Hinweis zu geben, dass es wert und wichtig ist, aus heutiger Sicht die Werke erneut zur Hand zu nehmen.

Ulla Ermen

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