9. Januar 2011

Selbstverständlich ist die alljährliche Bekundung unsere Treue zum Vermächtnis Karl Liebknechts und Rosa Luxemburgs ein bedeutendes Ereignis in der Hauptstadt Berlin. Erstens, weil sich Zehntausende Menschen dafür in Bewegung setzen und das regelmäßig. Zweitens, weil es sich um ein eindeutig politisches Geschehen handelt, welches sich gegen die heutigen Zustände der Bundesrepublik und die dafür Schuldigen richtet. Drittens, weil es in einer langen, nachhaltigen und edlen Tradition steht. Und mit dem Gedenken Karls und Rosas bleiben die Millionen Gefolterten und Ermordeten im Bewusstsein und somit, was Imperialismus bedeutet. Viertens schließlich, weil das Ereignis gerade in Berlin stattfindet, mit dessen Rolle im Ersten und im Zweiten Weltkrieg, dann als Frontstadt im Kalten Krieg, als Hauptstadt der Deutschen Demokratischen Republik und nun als die dieser explosiven Bundesrepublik Deutschland…

Die Herrschenden bekämpfen das Ereignis einstweilen mit den Mitteln der psychologischen Kriegsführung. Die Tagesschau vermeldete am 9. Juni abends hunderte Teilnehmer. Die RBB-Abendschau nannte Tausende. Die Presse der Linkspartei sprach von 40.000. Eine ganze Nebelwand wurde, gestützt auf eine „unglückliche Formulierung“ der Gesine Lötzsch, geschossen. Sofort kritisierten die Gysis, Lederers, Paus und Ramelos ihre Kovorsitzende und gerieten so (vielleicht unbedacht) wieder einmal in eine Paktsituation mit den schwärzesten Figuren der BRD. Wären sie Linke im viel beschworenen Sinn Rosa Luxemburgs, so hätte ihre Reaktion lauten müssen: Wir wollen in Deutschland aus München, dem Geburtsort des Hitlerfaschismus, der ehemaligen „Hauptstadt der (faschistischen) Bewegung“, nie wieder Überwachungs- und Verbotsdrohungen gegen linke Parteien hören! Antikommunismus war und ist Kernbestandteil faschistischer Ideologie….

Trotz des Versagens der modernen Sozialdemokraten ging diesmal das Konzept der psychologischen Kriegsführung nach innen nicht auf. Im Gegenteil, es wurde deutlicher, wer wer ist und das ist äußerst wertvoll.

Dennoch führte der Erfolg auch zu einem gefährlichen Irrtum. Mancher bewertete die faschistoiden Selbstentlarvungen als Äußerungen einer nervös werdenden deutschen Oberklasse. Falsch! So sieht der auf weltweite politische, wirtschaftliche, ideologische und militärische Expansion gerichtete aktuelle Kurs der BRD aus. Das geht gerade erst richtig los, bevor die Reformatoren des „demokratischen Imperialismus“ überhaupt kapieren, wo sie leben…

Genau gegen diesen Gang der Dinge wandte sich die Demonstration der Tausende durch die Frankfurter Allee zur Gedenkstätte der Sozialisten. Vorweg das breite Spruchband „Liebknecht, Luxemburg, Lenin … niemand ist vergessen“. Gleich daneben das Transparent „Die Lehre von Marx ist richtig … wir erleben es täglich“. Es folgten Gruppen mit den Fahnen der DKP und der Linkspartei. Fahnen der trotzkistischen MLPD, der Anarchisten, der Jugendorganisationen SDAJ, ’solid, Rebell, Falken und FDJ signalisierten deren Beteiligung. Die Symbole der Opfer des Faschismus und des heutigen Kampfes gegen dessen aktuellen Schoß konnten in dieser Demonstration selbstverständlich nicht fehlen. Klar der Internationalismus der Teilnehmer: Die klugen griechischen Kommunisten, die disziplinierten kurdischen und türkischen Genossen, die Freiheitskämpfer aus Palästina, Kolumbien, Venezuela, unsere vietnamesischen Freunde. Längst sind nicht alle genannt.

Bereits seit 9 Uhr und ununterbrochen bis 13 Uhr schritten Zehntausende durch die weit geöffneten Tore der traditionsreichen Gedenkstätte. Meist war das ganze Areal voller Menschen, die die ermordeten Gründer der kommunistischen Partei Deutschlands ehrten. Die Rote Nelke des 1. Mai der Arbeiterklasse hat an diesem Ort längst zusätzliche Bedeutung gewonnen. Sie leuchtet rot zu Fuße des hohen Gedenksteins und an den Gedenktafeln revolutionärer Sozialdemokraten und Sozialisten, der Kommunisten und Antifaschisten, der Kämpfer gegen die Spaltung Deutschlands nach 1945 und der Gründer der Deutschen Demokratischen Republik…

So bitter es ist, der Realismus gebietet auch zu berichten, dass die ganze Gruppe der teilnehmenden Führungspersonen der Linkspartei jener Platte ihre Reverenz erwies, die den „Opfern des Stalinismus“ gilt. Mancher von ihnen wird noch die Erfahrung machen: Früher oder später werden der Gedenkstein und jene Platte an diesem Ort nicht mehr vereint sein.

In Brandenburg wurde die Gedenkstätte Ziegenhals im vergangenen Jahr abgerissen, obgleich sie der ersten illegalen Tagung des organisierten Widerstandes im faschistischen Deutschland und deren von den Faschisten ermordeten oder im Kampf umgebrachten Teilnehmern gewidmet war und obgleich in Brandenburg eine „rot-rote“ Regierung arbeitet. Die Kämpfer und Getöteten waren eben „nur Kommunisten“. Schon vor Jahren wurden in Potsdam der Liebknecht-Luxemburg-Ehrenhain einschließlich der dortigen Bildhauerarbeit sowie das Liebknecht-Mahnmal „Kraft und Flamme der Revolution“ abgerissen und eine Ausstellung am historischen Wirkungsort Liebknechts beseitigt. Nichts wird vergessen. Daran erinnerte auch eine kleine „Ziegenhalsausstellung“ am 9. Januar 2011 anlässlich der Begegnung Zehntausender Revolutionäre in Deutschlands Hauptstadt.

Redaktion

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