Arbeitsplätze verteidigen!

STOP BOMBARDIER

Bombardier, der Hersteller von Schienenfahrzeugen, bereitet eine Entlassungswelle vor. In ganz Deutschland soll jeder sechste Arbeiter gehen; vom Werk Hennigsdorf sollen fast 300 aufs Pflaster geworfen werden. Zwar erwirtschaftet der Konzern satte Profite und hat prall gefüllte Auftragsbücher, doch das Management ist unerbittlich: Die Arbeiter müssen gehen.
Das Problem des Konzerns ist angeblich der internationale Wettbewerb: Um dauerhaft zu bestehen und die Gewinnspanne hoch zu halten, muss das Unternehmen „fit für die Zukunft“ gemacht werden, meint Dieter John, Deutschlandchef von Bombardier. Die Konkurrenz aus Asien und Osteuropa sei einfach zu stark, und wer sich gegen diese im Ausland durchsetzen wolle, müsse dann auch die Produktion ein Stückweit dorthin verlagern. Auf Beschäftigungssicherung hierzulande zu setzen, sei dann einfach fehl am Platze. Um am Ende noch besonders effizient wirtschaften zu können, müsse man sich spezialisieren, gibt John zum Besten und hat dabei wohl die Lehre vom Adam Smith aus dem 18. Jahrhundert im Hinterkopf. Jedenfalls solle sich Görlitz künftig auf Roh- und Komponentenbau konzentrieren, Bautzen auf den Innenausbau, und in Hennigsdorf würden das Engineering und das Testing gestärkt.
Die Landesregierung will – dem Bekunden nach – einen Stellenabbau möglichst verhindern. Gelockt hatte sie das Unternehmen mit Steuergeldern, die dann im Rahmen der Innovationsförderung bei Forschung und Entwicklung fließen sollten. Etwas anderes als Scheckbuchdiplomatie zulasten der Steuerzahler fällt Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD) offenbar nicht ein. Dass sich das Unternehmen nicht schmieren ließ, dürfte Gerber vielleicht etwas überrascht haben. Aber statt sich öffentlichkeitswirksam auf die Seite der protestierenden Arbeiter zu stellen, gab er sich doch lieber als Bittsteller: Die Fachkräfte und die Ingenieure in Hennigsdorf seien doch das größte Pfund des Unternehmens, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Statt Taten nur ein moralischer Appell an das Management: Die Unternehmensleitung solle doch bitte mit dem Betriebsrat beraten, „ob Stellenabbau wirklich der Weisheit letzter Schluss ist“. Das dürfte dem Konzern allerdings egal sein, ist doch sein einziges und größtes Interesse, heute und in Zukunft möglichst viel Profit zu erwirtschaften. Die Interessen der Arbeiter kommen in dieser Rechnung dann nicht mehr vor.
Laurent Troger, der erst im Dezember vom Technikchef zum Boss der Bosse in der Zugsparte aufgestiegen war, gab gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters seine Pläne bekannt und bestätigt damit den Verdacht. In diesem Jahr wolle er demnach 8,5 Milliarden Dollar Umsatz machen, und davon sollen sechs Prozent als Gewinn vor Steuern übrig bleiben. Der vorangetriebene Stellenabbau sei notwendig, „um die Profitabilität zu steigern“ gab er unverhohlen zu. Der Umsatz der Zugsparte schrumpfte im vergangenen Jahr von 9,6 Milliarden auf 8,3 Milliarden US-Dollar. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) sank leicht von 469 Millionen Dollar auf 465 Millionen Dollar.
Der Lokomotivbau in Hennigsdorf ist ein wichtiger „Arbeitgeber“ in dieser Region. 1989 waren noch 8.500 Arbeiter und Angestellte in dem damaligen  VEB Lokomotivbau Elektrotechnische Werke Hans Beimler Hennigsdorf (LEW) beschäftigt. Die Privatisierung durchg die Treuhandanstalt bedeutete natürlich vor allem Arbeitsplatzabbau. LEW gehörte erst zur AEG, dann Adtranz und schließlich Bombardier. Jeder Eigentümerwechsel hatte nicht nur einen kräftigen Stellenabbau zur Folge. Es ging auch viel Know how verloren. Die größte Wunde hat der Lokomotivbau hinterlassen, der nach Kassel verlagert wurde. Die Sparte war ein Schwerpunkt.
Aber die Beschäftigten wollen die Stellenkürzungen nicht kampflos hinnehmen. Am 17. März protestierten bundesweit tausende Mitarbeiter. In Hennigsdorf beteiligten sich 800 Beschäftigte an diesem Aktionstag. Weitere Protestaktionen sollen folgen. Der 1. Mai wäre hier also die Gelegenheit, diesen Tag wieder zu einem Kampftag zu machen. Nur wer sich wehrt wird seine Interessen gegen die des Kapitals durchsetzen können. Die Mitglieder der DKP erklären sich mit dem kämpfenden Arbeitern solidarisch.
Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt.

Frank Novoce

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