Aus dem Februarheft der Roten Kalenderblätter

Vom Rotarmisten in Budjonnys Reiterarmee zum Vorsitzenden des Kommunistischen Jugendverbandes in Deutschland, vom KZ-Häftling in Mauthausen zum Botschafter der Deutschen Demokratischen Republik in Prag – das sind die Lebensstationen von Fritz Große, der 1904 in Altenberg im Erzgebirge geboren, 1957 im Alter von nur 53 Jahren in Berlin verstorben ist. Unser Autor Günter Freyer, der sich seit vielen Jahren um die Würdigung verdienter Kommunisten und Antifaschisten besondere Verdienste erworben hat, ist diesmal dem Lebensweg eines Genossen gefolgt, der sich durch seinen Kampf gegen Faschismus und Krieg als Diplomat der DDR legitimiert hat. Das unterscheidet Fritz Große von den Diplomaten der Bundesrepublik mit ihrer braunen Vergangenheit.

„Man legte die zweiundzwanzig Spartakisten und ihren Führer in dasselbe Grab. Nicht ein Schrei. Aber ein Grollen tief in den Herzen. Und in wie vielen Hirnen mochten die letzten Worte des Führers nachhallen, der letzte Artikel, den Liebknecht für die Rote Fahne vor seinem Tod geschrieben hatte, das Trotz alledem!“ So schreibt Romain Rolland über die Beisetzung Karl Liebknechts am 25. Januar 1919 auf dem Friedhof in Berlin Friedrichsfelde. Es ist dies eines der 526 Dokumente, die Annelies Laschitza und Elke Keller zusammengetragen und in dem Buch „Karl Liebknecht – eine Biographie in Dokumenten“ 1982 im Berliner Dietz-Verlag veröffentlicht haben. Gestützt auf eine große Anzahl von Dokumenten und dokumentarischen Zeugnissen erlebt der Leser des Buches die Entwicklung Karl Liebknechts vom revolutionären Sozialdemokraten zum Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands. Wer das Buch nicht in seinem Bücherregal hat, sollte zugreifen, wenn er es antiquarisch erwerben kann.

Nach einem bemerkenswerten, zum Nachdenken anregenden Geschichtskommentar von Prof. Dr. Götz Dieckmann über das Ende der DDR folgen in unserem Januarheft drei Annotationen, die über Ereignisse berichten, die zu unterschiedlichen Zeiten am 7. Februar stattgefunden haben. Da wäre als Erstes der 7. Februar 1933. Es ist dies der Tag, an dem Ernst Thälmann in Ziegenhals seine letzte Rede gehalten hat. „Es ist der Bourgeoisie ernst damit, die Partei und die gesamte Avantgarde der Arbeiterklasse zu zerschmettern“, erklärte er seinen Genossen an diesem 7. Februar 1933, als die rechten sozialdemokratischen Führer noch immer hofften, dass man sich mit den faschistischen Machthabern arrangieren könnte. Am 7. Februar 1970 fand in Berlin das erste Festival des politischen Liedes statt, über das Michael Forbrig berichtet. Und am 7. Februar 1990 bildet die Kohl-Regierung den „Kabinettsausschuss Deutsche Einheit“. Mit der Einsetzung dieses Ausschusses wurden für die Deindustrialisierung der DDR im Interesse der westdeutschen Banken und Konzerne die Weichen gestellt. Nach den Worten von Detlev Krüger wurde damit eine Entwicklung eingeleitet, an deren verhängnisvollen Folgen nicht nur die ehemaligen DDR-Bürger leiden, sondern auch noch deren Kinder und Kindeskinder in Haftung genommen werden.

Prof. Dr. Erich Kundel

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