Den Kriegstreibern auf die Finger gehauen

Vor 50 Jahren begann die DDR ihre Grenzen zu sichern

Der „Mauerbau“ geistert nun wieder durch alle Medien. Und was wird uns gezeigt: Maurer, die, natürlich unter Bewachung, eine Mauer errichten. Frauen, die weinend an der Mauer stehen. Und dass 3 Millionen DDR-Bürger das Unrecht in der DDR nicht mehr ertragen konnten und deshalb in den „Westen“, in die „Freiheit“ geflüchtet sind.

Aber gab es da nicht noch etwas anderes, worüber nicht gesprochen wird?

Ich habe vom ersten Tag an als Volkspolizist die Sicherung der Staatsgrenze in Berlin mitgemacht. Ich stand mit meinen Genossen ohne Zaun einen Schritt von der „Freiheit“ entfernt. Aber trotz wortreicher Verlockungen über Lautsprecher, heißer Musik und noch heißerer Prostituierter hat keiner von uns den Schritt getan. Auch ich nicht. Das deshalb, weil ich zu den 16 Millionen DDR-Bürgern gehörte, die in der DDR bleiben und in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen und in Sicherheit ihr Leben gestalten wollten.

Aber konnten wir das? Da konnte z.B. im Krankenhaus eine wichtige Operation nicht ausgeführt werden; Vieh stand unversorgt im Stall; Schulunterricht fiel aus. Und das, weil sich der Arzt, der Bauer, der Lehrer für 20 Pfennige (soviel kostete damals eine Fahrkarte Richtung Westberlin) in den „Westen“ abgesetzt hatte. Alles politische Flüchtlinge? Etwa 200.000 im Jahr oder etwa 500 am Tag? Ein großer Teil wurde mit lukrativen Arbeitsverträgen in die BRD gelockt. Andere fielen einfach auf die bunten Werbesendungen der westlichen Medien herein. Aber nicht nur das. Da wurden Kinder vormittags (!) in die für Kinder verbilligten Kinovorstellungen Westberliner Filmtheater gelockt, statt in die Schule zu gehen.

Etwa 60 Tausend „Grenzgänger“ verkauften ihre Arbeitskraft an Westberliner Unternehmen, nahmen aber hier die Vorteile des durch Subventionen verbilligten Lebens (Miete, Lebensmittel, Verkehrstarife usw.) in Anspruch. Und dazu kamen die Westberliner, die mit einem Geld-Umtauschkurs von 1:5 bei uns billig einkauften. Oder die Plätze in den Theatern oder bei den Friseuren belegten. Hochwertige optische Geräte wurden von Spekulanten massenweise aufgekauft. Patente wurden nicht bei uns, sondern im Westen angemeldet. Und so weiter…..

Verständlich der Wunsch und die Forderung vieler Bürger der DDR, damit endlich Schluss zu machen. Zumal viele Versuche unserer Regierung, diese Probleme einvernehmlich zu lösen, ohne Erfolg blieben. Denn alles oben Geschilderte war Bestandteil der Gesamtstrategie der herrschenden imperialistischen Kräfte vor allem der USA und Westdeutschlands, die DDR wirtschaftlich und politisch so zu schwächen, dass sie ihnen wie ein fauler Apfel von selbst in den Schoß fällt. Dazu waren ihnen alle Mittel recht, auch die die des militärischen Überfalls. Entsprechende Pläne waren der DDR-Regierung bekannt. Mehrere Manöver mit scharfer Munition in Grenznähe zur DDR ließen diese Gefahr konkret werden.

Und so war es im Interesse sowohl der mit ihrem Staat verbundenen Bevölkerung der DDR als auch der wirtschaftlichen und politischen Existenz der DDR und der Sicherheit der im Warschauer Vertrag vereinten sozialistischen Staaten nur folgerichtig, dass letztere im Einvernehmen mit der Regierung der DDR den Beschluss fassten, die bis dahin offene Staatsgrenze der DDR zuverlässig zu sichern. Das „Geheul der getroffenen Hunde“ und der danach einsetzende wirtschaftliche und politische Aufschwung in unserer DDR zeugten von der Richtigkeit dieser Entscheidung. Und deshalb stand ich an diesen Tagen an der jetzt geschlossenen Grenze – ohne Wenn und Aber.

Kuno

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