Der älteste Landtagskandidat ist ein Kommunist

Auf der DKP-Landesliste steht der 85-jährige Pfarrer Dieter Frielinghaus aus Brüssow in der Uckermark

2144 Stimmen hat die DKP bei der Landtagswahl vor fünf Jahren erhalten. Nach einem erkennbaren Aufwärtstrend könnten es diesmal 3400 Stimmen werden.

Im Verfassungsschutzbericht taucht die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) unter »Linksextremismus« auf. 80 Mitglieder soll sie demnach in Brandenburg zählen. Tatsächlich seien es mehr als 100, verrät der DKP-Landesvorsitzende Mario Berríos Miranda. Die genaue Zahl möchte er nicht nennen. »Wir wollen es dem Verfassungsschutz nicht leicht machen, womöglich noch Namen und Adressen unserer Sympathisanten veröffentlichen«, sagt er lachend.

Der Geheimdienst behauptet: »Die DKP strebt nicht in die Parlamente.« Das ist richtig und auch falsch. Immerhin tritt die DKP zur Landtagswahl am 14. September an. Allerdings räumt der Landesvorsitzende freimütig ein: »Man braucht nichts schönzureden. In diesem System und mit dieser Stärke haben wir keine Chance, die Fünf-Prozent-Hürde zu schaffen. Für uns ist es aber gar nicht wichtig, ins Parlament zu kommen. Es geht um das Aha-Erlebnis.« Denn die DKP versuche, mit ihrem roten Fahrzeug und Informationstischen in alle Winkel des Landes zu kommen. Die überraschte Reaktion der Passanten sei dann oft: »Euch gibt es noch?«

Zwölf Personen stehen auf der Landesliste: als Spitzenkandidat der 42-jährige Landschaftsarchitekt Berríos Miranda, als Jüngste die 32-jährige Altenpflegerin Stefanie König und als Ältester der 85-jährige Pfarrer Dieter Frielinghaus aus Brüssow in der Uckermark.

Nach Angaben von Landeswahlleiter Bruno Küpper handelt es sich bei Frielinghaus um den ältesten aller 404 Landtagskandidaten. Frielinghaus hatte in Göttingen evangelische Theologie studiert. 1957 siedelte er in die DDR über. Der Bund reformierter Gemeinden hatte ihn dorthin geschickt. Berríos Miranda nennt Frielinghaus einen »fortschrittlichen Pfarrer«.

Fortschritt gibt es bei der märkischen DKP auch in anderer Hinsicht. Die Mitgliederzahl geht laut Berríos Miranda wie überall in Ostdeutschland nach oben. Ungefähr zwei Wochen vor der Europawahl am 25. Mai habe dieser Trend begonnen, erzählt der Vorsitzende. Bei der Landtagswahl 2009 hatte die DKP 2144 Stimmen erhalten. Das entsprach 0,2 Prozent. Demgegenüber bekam die Partei im Mai 2014 bei der Europawahl 2435 Stimmen, obwohl die Wahlbeteiligung in diesem Moment um 20 Prozent niedriger lag. Die DKP darf angesichts dessen bei der Landtagswahl am 14. September mit einiger Berechtigung auf 3400 Stimmen hoffen. Der DKP schlägt inzwischen vergleichsweise wenig Antikommunismus entgegen. Von 100 Leuten, die am Infotisch vorbeischauen, pöbeln nun höchstens noch zwei, sagt Berríos Miranda. Bei keinem Wahlkampf vorher sei diese Quote so gering gewesen.

»Vielleicht 1000 Plakate wird die DKP aufhängen können, auf jeden Fall unter 5000«, erklärt der Landesvorsitzende. Zum Vergleich: Die LINKE wird mehr als 34 000 Plakate einsetzen.

Die »kleinen Errungenschaften« der rot-roten Koalition will Berríos Miranda nicht kleinreden. Tatsächlich habe die LINKE, die in Brandenburg seit 2009 mitregiert, etwas verbessern können. »Aber wir dürfen uns nicht in die Tasche lügen, es ist erst einmal nur ein kleiner Schritt.« Für Berríos Miranda überwiegen negative Beispiele, wie beim Braunkohletagebau, wo Konzerninteressen über die Interessen der Menschen gestellt worden seien.

Den jüngsten Kandidaten für die Landtagswahl – den Schüler Matti Karstedt aus Groß Kreutz – stellte übrigens die FDP auf, bei deren Wahlergebnis am Ende auch eine null vor dem Komma stehen könnte.

Quelle Neues Deutschland, 12.08.2014

Von Andreas Fritsche

Foto: imago/Schöning

 

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*