Ein gelungener Auftakt zum Jahresanfang

Der politische Jahresauftakt für Linke aus dem ganzen Bundesgebiet und aus den Ausland fand wieder am zweiten Januarwochenende in Berlin statt. Das Gedenken an die ermordeten Arbeiterführer Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht nehmen sie zum Anlass, um zu diskutieren, Freunde und Kampfgefährten zu treffen und die Entschlossenheit zu demonstrieren, sich nicht mit den herrschenden Verhältnissen abzufinden.
Am Sonnabend platzte das Urania-Haus in Berlin aus allen Nähten. Die Junge Welt lud zum neunzehnten mal zur Rosa-Luxemburg-Konferenz. Zu den interessierten Hörern sprachen Prominente Redner. So z.B. Anders Kaergaard (dänischer Whistleblower und Geheimdienstaussteiger), Denis Goldberg (südafrikanischer Bürgerrechtler und Weggefährte Nelson Mandelas) und Maria do Socorro Gomes Coelho (Präsidentin des Weltfriedensrates, Brasilien). Ein bewegender Moment war die Verlesung der traditionellen Grußbotschaft von Mumia Abu-Jamal. Sie wurde  von seinem Sohn Jamal Hart vorgetragen. Selbst aktiver Kämpfer für die Rechte der farbigen Bevölkerung der USA saß er auch schon in den Gefängnissen der Herrschenden. Er äußerte seine Gedanken zu seinem Kampf.
Auf der abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten zum Thema „Wie kann der Widerstand gegen Faschismus, gegen Krieg und gegen Sozialkahlschlag zusammengeführt werden?“ Maria do Socorro Gomes Coelho, Ulrich Schneider (Generalsekretär der FIR), Bernd Riexinger (Vorsitzender der Partei Die Linke),Monty Schädel (politischer Geschäftsführer der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte Kriegsdienstgegner). Die Friedensbewegung darf sich nicht verzetteln und sie darf sich nicht klein reden lassen. „Wir  dürfen  uns  die  historische  Leistung  der Friedensbewegung nicht wegreden lassen – sie besteht darin, daß wir 100 Jahre nach Beginn des  Ersten  Weltkrieges  eine  Gesellschaft  haben, die nicht mehr in militaristischen Kategorien denkt, eine Gesellschaft, die vom Militär und von Rüstungen nicht mehr viel hält. Das ist  unser  Verdienst,  und  darauf  müssen  wir aufbauen. Das kann aber auch wieder verloren gehen,  deswegen  brauchen  wir  die  Friedensbewegung.“ (Peter Strutynski, Sprecher des Bundesausschusses Friedensratschlag aus dem Publikum.) Bernd Rixinger betonte, dass die Partei die Linke an den friedenspolitischen Grundsätzen festhalten wird. Einzelne, wenn auch prominente, Genossen mögen da anders denken. Sie kommen dann natürlich auch in den Medien vor, um von außen Druck zu erzeugen. Bernd Rixinger ist aber überzeugt, dass kein Parteitag oder Landesparteitag einen vom Programm abweichenden Beschluss fassen würde. Ohne Friedenspolitik hätte die Partei die Linke keine Daseinsberechtigung mehr.
Zu einem Treffpunkt für Kommunisten und derer Sympathisanten war dieses Jahr das „Cafe K“. Neben dem Auftanken an Energie für den anstrengenden Tag wurde hier vor allem diskutiert. Am Abend fand dann dort der Jahresauftakt der DKP gemeinsam mit der SDAJ statt. Anders als in den letzten Jahren eine kämpferische und mitreißende Veranstaltung.
In seiner Rede sagte Gen. Patrick Köbele unter anderem:
„Wir werden nicht um das „Trotz alledem“ von Liebknecht und Luxemburg herumkommen, wir werden nicht um die zähe Kleinarbeit herumkommen, deren zentrale Botschaft und Inhalt die Notwendigkeit der Stärkung der kommunistischen Komponente ist – das ist kein Widerspruch zur Stärkung der fortschrittlichen Bewegung, sondern eine dialektische Einheit und Voraussetzung.
Trotz alledem heißt heute, die DKP in der Mitgliederkampagne zu stärken. …
Trotz alledem heißt heute, den Kampf um die Unterstützungsunterschriften für unsere EU-Wahlkandidatur zu führen. …
Trotz alledem heißt heute, unser Pressefest vorzubereiten. …
Trotz alledem heißt heute, den proletarischen Internationalismus zu organisieren. …
Trotz alledem heißt zu wissen, welche Gefahr der Militarismus und dessen Geist gerade für die heranwachsende Generation, den heranwachsenden Teil der Klasse bedeutet. … „
Zu den Teilnehmern sprachen dann auch der neugewählte Vorsitzende der SDAJ, Paul Rodermund, der Kubanische Botschafter René Juan Mujica Cantelar und der Genosse Guyla Türmer, Vorsitzender der Ungarischen Arbeiterpartei.
Auch das Singen vieler Arbeiterlieder und natürlich der abschließenden Internationale sorgten für eine kämpferische Stimmung.
Diese konnte dann am nächsten Tag in die Tat umgesetzt werden. Schloss doch Patrick Köbele seine Rede am Vorabend mit den Worten: „Trotz alledem heißt … heute feiern, aber morgen hellwach sein und ausstrahlende Demoblöcke von SDAJ und DKP organisieren.“
Nach Veranstalterangeben zogen etwa 12.000 Teilnehmer vom Frankfurter Tor zur Gedenkstätte der Sozialisten. Vor allem viele Junge Leute gaben dem Demonstrationszug sein Gesicht. Sie wendeten sich vor allem gegen Krieg, Ausbeutung und gegen das Wiederaufkeimen faschistischer Gedanken und Organisationen. Die ohne Vorfälle stattgefundene Demonstration zeigt, dass der Wunsch nach einer anderen Gesellschaft lebendig ist.
Interessant ist, wie das „Neue Deutschland – sozialistische Tageszeitung“ das Wochenende reflektiert. Auf Seite eins konnte man lesen: „Mehrere Tausend beteiligten sich an der traditionellen LL-Demonstration von Berlin-Friedrichshain nach Friedrichsfelde. Auf dem Friedhof legten viele von ihnen rote Nelken an der Gedenkstätte der Sozialisten nieder, darunter die LINKEN-Parteispitze mit Gregor Gysi, Katja Kipping, Bernd Riexinger, Sahra Wagenknecht, Oskar Lafontaine und Petra Pau. Neben der Linkspartei waren auf der LL-Demo vor allem die DKP und die MLDP mit ihrem Jugendverband Rebell vertreten.“ Ich kann mich nicht entsinnen, die genannten PdL-Genossen im Demonstrationszug gesehen zu haben. Formal stimmt es natürlich, dass 12.000 mehrere Tausend sind. Letzteres vermittelt doch eher, dass nur wenige an der Demonstration teilgenommen haben. Deutlicher wird es auf Seite zwei. „Gedenken an Rosa und Karl -10.000 erinnerten an die Ermordung Luxemburgs und Liebknechts“ lautet die Überschrift.
Große Sorge hatten die „Genossen vom ND“, dass die auch dieses Jahr wieder stattfindende Alternativdemo des Rosa&Karl-Bündnisses. Da sie in den offiziellen Medien keine Rolle spielte, ging das ND um so mehr darauf ein. Auf Seite eins widmete sie 1/3 des Textes dieser spaltenden Veranstaltung. Der Einleitungstext auf Seite zwei lautete: „Zum stillen Gedenken in Berlin-Friedrichsfelde legte die LINKE-Parteispitze Kränze und Nelken nieder. An einem alternativen Gedenkzug nahmen rund 500 Menschen teil.“ Ziemlich viel Mühe für ein kleines Häufchen.
Ich sehe liebe auf die Internetseite der LL-Demo (www.ll-demo.de) und lese: „Noch 352 Tage bis zur nächsten LL-Demo“.

PoFa

Jamal_Hart_auf_RLK

Jamal Hart auf der Rosa-Luxemburg-Konferenz

DKP Abschluss

Jahresauftaktveranstaltung der DKP

LL-Demo1

Fronttransparent der LL-Demo

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*