Engels über drei Arten von Sozialisten

Friedrich Engels teilt in seiner im Herbst 1847 verfassten Schrift „Grundsätze des Kommunismus“ unter Frage 24 („Wie unterscheiden sich die Kommunisten von den Sozialisten?) die Sozialisten in drei Klassen ein. Die erste nennt er die „reaktionären Sozialisten“, weil sie der durch den Kapitalismus zerstörten Feudalordnung nachtrauern und diese wiederherstellen möchten. Er fährt dann fort: „Die zweite Klasse besteht aus Anhängern der jetzigen Gesellschaft, welchen die aus dieser notwendig hervorgehenden Übel Befürchtungen für den Bestand dieser Gesellschaft erweckt haben. Sie streben also danach, die jetzige Gesellschaft beizubehalten, aber die mit ihr verbundenen Übel zu beseitigen. Zu diesem Zwecke schlagen die einen bloße Wohltätigkeitsmaßregeln vor, die anderen großartige Reformsysteme, welche unter dem Vorwand, die jetzige Gesellschaft zu reorganisieren, die Grundlagen der jetzigen Gesellschaft und damit die jetzige Gesellschaft beibehalten wollen. Diese Bourgeoissozialisten werden ebenfalls von den Kommunisten fortwährend bekämpft werden müssen, denn sie arbeiten für die Feinde der Kommunisten und verteidigen die Gesellschaft, welche die Kommunisten gerade stürzen wollen.

Die dritte Klasse endlich besteht aus demokratischen Sozialisten, welche auf demselben Wege wie die Kommunisten einen Teil der in Frage 18 angegebenen Maßregeln wollen, aber nicht als Übergangsmittel zum Kommunismus, sondern als Maßregeln, welche hinreichend sind, um das Elend aufzuheben und die Übel der jetzigen Gesellschaft verschwinden zu machen. Diese demokratischen Sozialisten sind entweder Proletarier, die über die Bedingungen der Befreiung ihrer Klasse noch nicht hinreichend aufgeklärt sind, oder sie sind Repräsentanten der Kleinbürger, einer Klasse, welche bis zur Erringung der Demokratie und der aus ihr hervorgehenden sozialistischen Maßregeln in vieler Beziehung dasselbe Interesse haben wie die Proletarier. Die Kommunisten werden deshalb in den Momenten der Handlung sich mit diesen demokratischen Sozialisten zu verständigen und überhaupt mit ihnen für den Augenblick möglichst gemeinsame Politik zu befolgen haben, sofern diese Sozialisten nicht in den Dienst, der herrschenden Bourgeoisie treten und die Kommunisten angreifen. Dass diese gemeinsame Handlungsweise die Diskussion der Differenzen mit ihnen nicht ausschließt, ist klar.“ (MEW, Band 4, S. 378/379)

siehe auch…

antikommunistische Torheit – Teil 1

antikommunistische Torheit – Teil 2

antikommunistische Torheit – Teil 3

antikommunistische Torheit – Teil 4

 

 

 

4 Kommentare zu Engels über drei Arten von Sozialisten

  1. herbert driebe // 28. Oktober 2014 um 22:33 // Antworten

    liebe genossen, wer sich auch immer hinter „volodia teitelboim“ verbirgt, der sollte vielleicht beachten, dass engels neben dem wenigstens genannten punkt 18 auch u.a. den punkt 21 formulierte. vielleicht würde es zum nachdenken anregen, alle drei einmal hier als zusammenhang aufzuschreiben. ich denke gerade der zusammenhang ist hier sehr aufschlussreicht und hochaktuell.

    • wertgeschätzter Herbert Driebe,
      warum benutzen Autoren ein Pseudonym? Sitzen Sie auf einem Turm und schauen sich die Welt von einer höheren Ebene an?
      Ihre Wortmeldung wäre eine Bereicherung, möglicherweise auch ein Erkenntnisgewinn zur hochaktuellen Diskussion der Sozialisten in und bei Der Linken im Zusammenhang mit den Koalitionsverhaqndlungen in Thüringen und Brandenburg. Leider ist in Ihrem Beitrag dazu kein Ansatz zu finden. Schade, so ist es nur, … na ja.
      Interessant wäre Ihre Meinung zu dem Engels-Zitat gewesen. Auch ein Hinweis zu den Inhalten der Fragen 18 und 21. Eine Andeutung des Zusammenhangs wäre sehr hilfreich, um Ihren Schriftsatz einen Sinn zu geben.
      Vielleicht kommt ja noch etwas von Ihnen?

      ein anderer Pseudonymus

  2. Leonhard Helmschrott // 29. Oktober 2014 um 21:10 // Antworten

    Engels Einschätzung zur Klassifizierung sich Sozialisten Nennender ist aktuell wie eh und je. Die blass-rosa Koalitionsvereinbarungen der vergangenen Jahre bis heute verdeutlichen das erneut. Kommunisten haben dazu eine feste Meinung, einen Standpunkt. Ein fester Standpunkt hat den großen Vorteil, dass auch ein schwerer Herbststurm nicht entwurzelt, dass Klarheit bleibt und wächst. Da schwätzen rosarote und pinkfarbene, sich selbst rot nennende von Reformen … . In meinem Bundesland Brandenburg erlebe ich stattdessen Sozialabbau, Angriff des Monopolkapitals auf breiter Front, so wie die Thüringer, Anhaltiner, Mecklenburger … es nicht anders erleben – trotz aktuell oder ehemals blassrosa Regierung. Sag Genosse Driebe, sind da „Sozialisten“ an der Regierung ?, oder eben wie immer Helfershelfer im Interesse der Finanzkapitals ? Wem „dienen“ jene wirklich !?

  3. herbert driebe // 30. Oktober 2014 um 21:39 // Antworten

    Liebe Diskussionsgemeinde, nichts liegt mir ferner, als jemanden in irgendeiner Weise herauszufordern. Bei den Antworten habe ich das Gefühl, es ist vielleicht so verstanden worden. Natürlich ist es mir egal wie sich jeder nennt. Und wer meint, er (oder sie) müsse sich nach einem wirklich großen Dichter benennen, der kann das natürlich unbesehen tun. So gerät der Name wenigstens nicht ganz in Vergessenheit. Ich ganz persönlich mag das nicht so sehr und ich stehe zu meiner Meinung offen.
    Etwas anderes bewegt mich aber viel mehr: Sieht man sich alle alten und neuen Koalitionsverträge an, so wird immer der Eindruck erweckt, als würde besonders für die Frauen etwas getan, was dieses System gar nicht leisten kann. Das geht nur nach der sozialistischen Revolution. Deshalb der Verweis auf die Nummer 21.
    Vielleicht darf ich noch zwei Gedanken nennen, die mich bewegen. Engels hat ja diese Grundsätze in Vorbereitung auf das Manifest geschrieben, wo sich das auch wiederfindet. Es ist die Zeit der beginnenden englischen Gewerkschaftsbewegung und der Auseinandersetzung mit Owen, Fourier usw. Ich denke das ist bekannt schlägt sich hier deutlich nieder. Die Frage ist doch, was uns das Zitat genau sagen soll, weil wir heute, die meisten Truppen, die Engels gar nicht mehr als Sozialisten einstufen würden.
    Was die Einschätzung der Linken betrifft, haben wir sicher auch keine verschiedenen Meinungen. Nur bin ich ja nicht in dieser Partei, wohl aus eben diesem Grund und so muss ich mich nicht ständig mit dieser befassen.
    Ich will aber für uns, dass wir uns den tatsächlich gegebenen politischen Verhältnissen stellen, was auch immer bei den konkreten Handlungen der Klassiker zu finden ist und ebenso aus ihren Schriften hervorgeht. Wenn wir z.B. den Punkt 21 nehmen, so bieten die soz. Staaten aus ihrer Geschichte für dessen Realisierung ein gutes Bespiel. Allerdings angewandt auf die entsprechende historische Zeit. Und ich denke das sollte man mit Zitaten eben auch immer tun.
    Der zweite Gedanken geht auf den Punkt 19 bei Engels zurück. Hier steckt die Frage nach der Revolution beim schwächsten Kettenglied oder Weltrevolution drin. Engels in seiner Zeit hat die genau beantwortet. Bei Lenin haben wir gelernt, dass man vielleicht nur in einem oder mehreren Ländern mit dem Sozialismus anfangen muss oder kann. Ich für meinen Teil glaube aber, dass sich beide den heute gegebenen Realitäten stellen würden. Den mit der EU und den abdriftenden „linken“ Parteien. Auch wenn sich der Epochecharakter bei leibe nicht verändert hat, gilt es für uns neu zu denken und möglicherweise danach Entscheidungen zu fällen.
    Tut mit Leid, ist leider doch wieder viel mehr geworden. Manches geht eben nicht so ganz kurz. Ich bitte um Entschudigung. Wer will kann aber gern mit mir persönlich diskutieren. Ich denke man findet mich sicher sehr schnell.
    Herbert Driebe

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