Faschismus

Der Zusammenhang von Faschismus und Imperialismus wird gewöhnlich mit der Förderung nachgewiesen, die er von den raubgierigsten und aggressivsten Verfechtern des Finanz- und Monopolkapitals erfuhr. Dieser Nachweis ist notwendig. Doch ist der Zusammenhang vielfältiger. Aus Gefüge und Ziel jeder vom Finanz- und Monopolkapital strukturierten Gesellschaft erwächst zwangsläufig eine Lebensweise, eine „Kultur“, die deren Notwendigkeiten entspricht und deren Alltag prägt. Folgerichtig wird „Sozialdarwinismus“ zum Kern ihrer gängigen Ideologie. Wem ist das bewusst? Von Kita und Schule bis in die herrschenden, reichen Kreise wurde die Auswahl von „Gewinnern“ und „Verlierern“ zur Gewohnheit. Erfolg und Reichtum, oftmals schon Symbole dessen, bestimmen den Wert von Menschen und Völkern. Selbst der öffentliche Sprachgebrauch trennt die Menschen in „Leistungsträger“ und Sonstige. Ob die Gesellschaft in einer Krise steckt oder einen Aufschwung erlebt, richtet sich nicht danach, wie viele Personen vom menschenwürdigen Leben ausgeschlossen sind, sondern wie viel Gewinn eine kleine Menschengruppe macht. All ihre mörderischen Kriege werden angeblich vom ererbten, aggressiven, menschlichen Naturell und keineswegs von der Macht- und gewinnsüchtigen Klasse verursacht. Der „Sozialdarwinismus“ erhebt „den Kampf ums Dasein“, der die Entwicklung in der Natur antreibt, zur Regel und zum Maßstab menschlichen Verhaltens und der Beziehungen zwischen den Menschen…

Sitten des „Sozialdarwinismus“ wirkten zwar lange bevor der Begriff in allen Ausbeutergesellschaften existierte. Doch erst im Imperialismus „wirkt“ er total, bis zur Gefährdung der Menschheit. Mit seiner totalen Kontrolle über die von ihm abhängigen Menschen und Völker sowie seinen Massenvernichtungsmitteln, bedeutet aggressiv praktizierter „Sozialdarwinismus“ Faschismus. In einer Ära, in der Massenheere für die Kriege des Finanz- und Monopolkapitals unzweckmäßig geworden sind, lässt sich Faschismus nicht einfach an den Riten und Methoden erkennen, die in Deutschland zwischen 1919 und 1945 verübt wurden. Längst werden Polizei- und Sicherheitsfunktionen privatisiert. Längst inszenieren und führen private Söldnereinheiten Bürgerkriege und Kriege. Längst verkam das Gesundheitswesen zur Gesundheitswirtschaft. Längst gerieten Sozialwesen, Schulen, meinungsformende Medien, Sport wie Unterhaltungskunst in die Hände von Privatunternehmen und dergleichen „freien“ Strukturen. Nunmehr üben die größten Kapitalgruppen zunehmend direkt Machthandlungen aus, die bisher als „Gewaltmonopol“ der Staaten galten. „Sauber“ angerichtet wird dieser Prozess als „Befreiung vom Staat“ mit Hilfe von Nichtregierungsorganisationen und einer „Zivilgesellschaft“. Damit wird der viel gerühmten „bürgerlichen Demokratie“ der Todesstoß versetzt, die doch an die Existenz eines „bürgerlichen Staates“ gebunden ist. Damit wird sich die Freiheit des gewaltigen „privaten“ Finanz- und Monopolkapitals noch ungezügelter austoben, als in den vergangenen 120 Jahren. Und man schaue sich die Menschenrechtler und Zivilgesellschaftler an, die uns frei von jeder Art Staat machen wollen und in deren Phantasie das Finanzkapital plötzlich menschlich wird. Das große Morden in Afrika, Asien und Amerika wird nicht als Globalisierung finanz- und monopolkapitalistischer Herrschaft wahrgenommen. Und schon gar nicht der soziale Zwang in Europa. „Sozialdarwinismus“ als Kern faschistischer Ideologie wirkt nun selbst Handlungs- und Struktur beeinflussend im System des Imperialismus, mit barbarischen Folgen. Die aber werden in den Zentren des Imperialismus einfach „weggedacht“, wie gehabt. Wird das „sozialdarwinistische“ System siegen? Nur wenn wir es nicht erkennen, seine Realität für „natürlich“ halten und seinen Millionen Opfern bestenfalls großmütig mit Almosen „helfen“.

H. St.

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