Fußball im Lustgarten?

In Potsdam gibt es eine bekannte und traditionsreiche Produktionsstätte für Filme ehemals UFA, dann DEFA und heute Medienstadt Babelsberg. Die hier produzierte „Unendliche Geschichte“ scheint sich auf das Stadtgeschehen auszuwirken. Wenn man die Tageszeitungen aufschlägt, scheint einen das Murmeltier zu grüßen. Immer wieder die gleichen Geschichten, immer wieder anders immer wieder zum Haare raufen (so man noch welche hat).

In Potsdam gibt es eine „Weiße Flotte“. Seit dem 8. August 1888 wird in Potsdam Fahrgastschifffahrt betrieben. Nun möchte das Unternehmen ein neues Verwaltungsgebäude mit Verkaufsschaltern und Gastronomie errichten. Die Baupläne waren weitestgehend fertig, da stellte man fest, dass eventuell das Mercure-Hotel abgerissen werden könnte.

Dann kam auch noch Herr Plattner und wollte eine Kunsthalle bauen. Damit war alles wieder offen. Seit dem ringen alle Beteiligten um ihre Interessen. Zeitweise wurde fast jede Woche eine neue Variante des Hafengebäude-Neubaus vorgestellt.

Nun soll das Mercure-Hotel auf jeden Fall abgerissen werden. Ist es doch ein Relikt der DDR. Da ist es auch unerheblich, dass selbst Architekten das Hochhaus als stadtbildprägendes und identitätsstiftendes Gebäude erhalten wollen. Aber das Hotel soll nun erworben werden, um es dann abzureißen. Das Land, als Stadtschlossbesitzer, soll sich auch daran beteiligen. Ist schon eigenartig, dass bei anderen Projekten immer zu allererst auf die fehlenden Geldmittel hingewiesen wird. Potsdam hat andere Probleme als das Hotel Mercure oder einen weiteren toten Raum Namens Lustgarten. Sanierungsrückstände an den Schulen fallen mir da ein und auch das Problem Schwimmhalle ist bisher noch nicht in trockenen Tüchern. Die von allen als bürgergünstigste Variante, eine Wettkampfhalle am Brauhausberg und eine kleine Schwimmhalle im sich entwickelnden Norden Potsdams zu bauen, scheiterte an der angeblichen Nicht-Finanzierbarkeit.

Ein weiteres Beispiel ist ein Fußballplatz neben dem Park Babelsberg. Bereits 2011 hatten die Beteiligten sich an erster Stelle für einen Bolzplatz an eben dieser Stelle ausgesprochen. Aber es „fehlte“ das Geld, dieses Vorhaben umzusetzen. Dieser wurde provisorisch aus Spendenmitteln finanziert. Nun wollte der SV Concordia Nowawes 06, ein Fußballverein mit proletarischer Tradition und dem Breitensport verbunden, sich der Sache annehmen und einen geeigneten Sportplatz bauen. Aber die Inhaberin des Parks Babelsberg, die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) fürchtet, dass der Fußballplatz die Sichtbeziehung zum Park gefährdet. Nach langen Verhandlungen der Stadt, der SPSG und dem Kulturministerium sollte ein Kompromiss herauskommen. Dieser war aber nicht akzeptabel. Der Bau von Sanitäranlagen am Rande des Welterbe-Parks ist laut Minister-Bescheid nicht erlaubt. Die Kinder und Jugendlichen sollen Duschen und Toiletten im 400 Meter entfernten Strandbad Babelsberg nutzen. „Das ist für den schnellen Gang zur Toilette nicht günstig“, so Vereinsvorsitzender Kallenbach. „Wir wünschen uns eine bessere Lösung.“ Auch die Auflage, dass der bisherige Bolzplatz entfernt werden soll, lehnt der Verein ab. „Der Platz wurde aus Spenden finanziert. Es ist nicht vermittelbar, dass er wegfallen soll.“

Der Streit geht weiter. Ich schlage vor, zur Belebung des Lustgartens, dort eine Sportanlage zu bauen. Ein Stadion hatten wir ja dort bis vor 20 Jahren noch.

Frank Novoce

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