AfD … die Geschichte wiederholt sich angeblich nicht

… und dennoch …

… es gibt historische Parallelen zwischen der Entstehung der AfD heute und der Entstehung der NSDAP in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts.
Heute wie damals hat die Entstehung beider Parteien eine wichtige Bedingung zur Voraussetzung – es ist dies eine über mehrere Jahre andauernde und sich verschärfende gesellschaftliche Krise.
Damals konnte die herrschende Klasse aus dieser Krise nicht mehr herauskommen, weil die politisch-ökonomischen Widersprüche nicht lösbar waren.
Die NSDAP war für die Bourgeoisie in dieser Situation das willkommene Sammelbecken für all die Unzufriedenen, Enttäuschten des Mittelstandes und des Kleinbürgertums sowie großer Teile der perspektivlos abgehängten Arbeiterklasse.
Einer der demagogischsten Schachzüge der Gründer der NSDAP war deren Namensgebung: NATIONALSOZIALISTISCHE DEUTSCHE ARBEITERPARTEI.
„National“ und „deutsch“ sprach den Mittelstand und die Kleinbürger an und „Sozialistische Arbeiterpartei“ weite Kreise der Arbeiterklasse.

Die Geschichte von damals und auch die Situation heute beweisen, dass die Massenstimmung für diese Parteien nicht etwa von der bürgerlichen Propaganda herrührt, sondern von den objektiven ökonomischen und sozialen Verhältnissen in der Gesellschaft hervorgebracht wird. Die Geschichte – nicht nur die der Deutschen – lehrt uns:

Wenn es der herrschenden Klasse als nützlich erscheint und andere Auswege aus der Krise für sie nicht erkennbar sind, ist die Errichtung einer faschistischen Diktatur das Mittel der Wahl.

AfD – Alternative für Deutschland – (am 6.2.2013 in Berlin gegründet) – dieser Titel klingt zunächst harmlos, programmatisch unverfänglich und bezogen auf den gegenwärtigen Zustand der neoliberalen kapitalistischen Gesellschaft ist eine Alternative sogar wünschenswert.
Sucht man aber nach dem, was die Alternative für Deutschland nun sein soll, findet man nur Kritik an einigen Erscheinungen in der Gesellschaft, das dümmliche „die Merkel muss weg“ sowie nationalistische, rechtskonservative und rassistische Parolen – und sonst nichts – eine gesellschaftspolitische Alternative ist nicht erkennbar. Die wirklichen Ursachen der Erscheinungen werden nicht genannt.
Bezeichnenderweise sind es wieder die gesellschaftspolitischen Zustände (unlösbare politisch-ökonomischen Widersprüche, soziale Ungerechtigkeiten, Ignoranz und Unfähigkeit der Politik usw.), die für das Entstehen der AfD ursächlich und verantwortlich sind.

Besonders in den ostdeutschen Ländern hat sich beginnend mit der flächendeckenden Deindustriealisierung in den 90er Jahren ein beachtliches Frustpotential aufgebaut, das nun in der AfD ein Sammelbecken, ein Ventil gefunden hat.
Es ist genau so wie um 1925 – nicht nur Teile der Arbeiterklasse laufen jetzt der AfD zu – es sind auch Teile des „Gutbürgertums“, der Intelligenz und Gewerbetreibenden, die tagtäglich um ihre Existenz bangen und kämpfen müssen.
Die AfD hat kein gesellschaftspolitisches Konzept, um eine Alternative in Deutschland zu gestalten.

Die Ideologen der AfD nehmen sich aus dem gesamten politischen Spektrum der Ansichten das heraus, was ihnen Zulauf verschafft – sogar linke Positionen sind in ihren Wahlargumenten zu finden.
Mit politischer und sozialer Demagogie agieren sie wie „der Rattenfänger von Hameln“ und dienen letztendlich doch nur dem Erhalt der großbürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft. Und damit ist die AfD wieder das willkommene Sammelbecken.
Sollten sich die Widersprüche in dieser Gesellschaft weiter verschärfen, steht die AfD zur Verfügung der Bourgeoisie – genauso wie einst die faschistische NSDAP.

Wehret den Anfängen – „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!“*

A.Zieger
* Bertolt Brecht, Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui

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