Joachim Gauck, der richtige Mann?

von Klaus Blessing und Manfred Manteuffel

Es ist erschreckend, immer wieder miterleben zu müssen, wie öffentliche Ereignisse und Persönlichkeiten in unserer Gesellschaft als Sensationen vermarktet werden. Mit sachlichen Berichten kann in der BRD wohl keiner das große Geld machen. Wer übertrifft wen im bunten Medienspektakel? Das ist hier die Frage! Vor einem Jahr wurde Christian Wulff mit Hilfe der Medien und einer großen Schar moralisch Entrüsteter aus dem hohen Amt des Bundespräsidenten gejagt. Nur wenige Wochen später wird sein Nachfolger, Joachim Gauck, zum Medienstar. Kein Bundespräsident fand bisher so viel öffentliche Beachtung und konnte sich einer so großen Beliebtheit erfreuen wie der ehemalige Pfarrer aus Rostock.

Wer ist Joachim Gauck? In welchem Verhältnis stehen „die Lobhudeleien, die Begeisterungen, die ihm zugeschriebenen Eigenschaften zu seiner wahren Existenz?“ Wie ist es möglich, daß eine Person mit so vielen Defiziten Präsident der Bundesrepublik werden kann? Warum dieser Mann gerade jetzt? Die Autoren Klaus Blessing und Manfred Manteuffel blicken hinter die Kulissen. Das kürzlich veröffentlichte Werk mit dem bescheidenen Untertitel „Kritische Anmerkungen anhand von Reden, Dokumenten und Zeitzeugenaussagen“ enthält viele wertvolle Informationen. Es basiert auf gründlichen Recherchen und eröffnet dem Leser interessante und neue Blickwinkel, auch auf die Arbeit des Ministeriums für Staatsicherheit der DDR. – Ein aufschlußreicher Diskurs über eine fragwürdige Person in einem fragwürdigen System.

Der ehemalige Pfarrer aus Rostock, der sich gerne mit dem Mäntelchen des Bürgerrechtlers schmückt, hat in seinem Leben stets die Gunst der Stunde erkannt und zum eigenen Vorteil genutzt. Selbst in den Verhandlungen mit Referenten für Kirchenfragen der Staatssicherheit hatte er neben kirchlichen Problemen vor allem seine persönlichen Interessen im Auge. 1991 wird Gauck in die Volkskammer der noch existierenden DDR gewählt. Schließlich erhält er durch Kohl und Weiszäcker das Amt des „Sonderbeauftragten der Behörde für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR“. Dieses Amt mißbrauchte er, um sich an der sozialistischen DDR und ihren Sicherheitsorganen zu rächen, obwohl ihn das MfS bei der Familienzusammenführung hilfreich unterstützte. Selbstgerecht und „gottgleich griff er in Tausende Schicksale verhängnisvoll ein“. Dabei wird „gemäß Bundespräsidialamt vom Amtsinhaber politische Neutralität und Abbau von Vorurteilen verlangt.“ Christliches Verzeihen gehört nicht zu den Eigenschaften Joachim Gaucks. Deshalb wurde er auch mit dem Beinamen „der Großinquisitor“ gekrönt. Die gleichnamige Erzählung im Roman „Die Brüder Karamasow“ von Dostojewski spielt auf die Verkehrung christlicher Lehren durch die Machtinstitution Kirche an. Die Erzählung handelt in Sevilla zur Zeit der grausamen Ketzerverfolgungen. „Der Großinquisitor“ schickt Jesus, der nach den Menschen auf der Erde hat sehen wollen, wieder fort mit den Worten: „Störe uns nie wieder!“

Joachim Gauck leidet an Selbstüberschätzung und ist auf dem rechten Auge blind. Er kann reden ohne wirklich zur Sache zu kommen. Vorgänger wie Christian Wulff gaben sich in ihren Ansprachen noch sozial, indem sie die Verlierer der kapitalistischen Gesellschaft in ihre Reden mit einbezogen. Gauck interessiert sich nicht für die Probleme der Menschen. „Die dringend erforderliche Kompetenz des Bundespräsidenten kommt aber nicht durch Beschwörung der Vergangenheit, sondern aus der Fähigkeit, drängende Fragen der Gegenwart zu thematisieren.“ Peinlich wird es, wenn er sich auf das philosophische Glatteis begibt und über Begriffe wie Freiheit fabuliert. Nach Weiszäcker ist er der größte Pharisäer unter den elf bundesdeutschen Präsidenten. Gauck lügt, bis sich die Balken biegen und kaum jemand merkt das. Die Politik der Bundesrepublik rückt immer mehr nach rechts, außenpolitisch unterstützt sie Kriege in aller Welt. In diesen Trend paßt ein Präsident wie Gauck, der revanchistische Ansichten vertritt über die deutschen Ostgrenzen und der Meinung ist, daß es „für unsere glücksüchtige Gesellschaft schwer zu ertragen ist, daß es wieder deutsche Gefallene gibt.“

Ulla Ermen
Klaus Blessing/Manfred Manteuffel Joachim Gauck – Der richtige Mann? Edition Berolina, Berlin 2013 190 Seiten – 9,90 EURO

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