Kommunismus (Teil I)

Nachdem das Großkapital mit seinen Gehilfen im Kalten Krieg den Sieg über die Sowjetunion und die sozialistischen Staaten Europas erstritten hatte, leitete es folgerichtig wieder eine Periode des finsteren Antikommunismus ein. Sieger wie Verführte übersehen, dass dem Sieg nachhaltige Erfolge der Besiegten voraus gingen. Bereits fünf Jahre nach der Revolution vertrieben die sowjetischen Völker die Truppen der imperialistischen Interventionsmächte aus ihrem Land. Neunzehn Jahre danach war die Sowjetmacht so stark, dass sie die Aggression Deutschlands und seiner Verbündeten von 1941 in knapp vier Jahren mit der Eroberung Berlins beantworten konnte. Sie brach das US-Kernwaffenmonopol, leistete die Pionierarbeit beim Aufbruch ins Weltall. Sie hinderte die kapitalistischen Kolonialisten, den erfolgreichen Widerstand gegen ihr mörderisches Kolonialsystem zu erdrosseln. Sie wurde zu einer Weltmacht, die die Siege der Revolutionäre in China, Vietnam, Kuba und anderen Ländern gegen den Einsatz der Massenvernichtungsmittel der USA und ihrer imperialistischen Kumpane abzudecken vermochte. Siege kommen und gehen. Die heutige Arroganz der Antikommunisten müsste jeden denkfähigen Menschen recht bizarr anmuten. Doch Perioden des Antikommunismus sind erfahrungsgemäß Zeiten verminderter Denkwilligkeit.

Inzwischen begann ein neues Jahrhundert. Schon pflügt eine neue kommunistisch regierte Weltmacht das Feld der Geschichte. Während die USA Mühe haben, ihre ekelhafte, aber traditionelle Herrschaft über den amerikanischen Kontinent aufrecht zu erhalten. Nationaldemokratische, soziale und sozialistische Bewegungen und Staaten prägen zunehmend die Geschehnisse in Asien, Afrika und Amerika. Und die Anhänger der finanzkapitalistischen EU haben keine stabile Basis für die Anmaßung, mit der sie in die Welt hinein gockeln. Man hat vergessen, dass die Wurzeln des Kommunismus genau in dem System wachsen, welches das westeuropäische Finanzkapital soeben zusammenpfercht. Und man begreift nicht, dass die aggressive Globalisierung der US-Herrschaft gerade die Kräfte mobilisiert, die schließlich das Gegenteil bewirken. Es sind diese Realitäten, auf die die Regierenden von Washington und Berlin so peinlich aufgeblasen und mit chauvinistischem Antikommunismus reagieren. Wohin das führt, sollte man nach allen Erfahrungen mit dem Faschismus in zahlreichen kapitalistischen Ländern eigentlich wissen…

Es gehört sich selbstverständlich nicht, die heutige Schwäche des Kommunismus in Europa allein auf Sieg und Kraft des herrschenden Finanzkapitals zurückzuführen. Unsere Niederlage liegt gut zwei Jahrzehnte zurück. Dennoch ist immer noch keine Übereinstimmung erreicht, welches die realen sozialen und politischen Kräfte der Gegenwart sind, die jetzt die Veränderung der Gesellschaftsverhältnisse tatsächlich vorantreiben. Schlimmer noch, es agieren allen ernstes Kommunisten und Kommunistische Parteien, die Staaten für demokratisch halten, die gerade Aggressionskriege führen! Und bei allem Willen zu kommunistischer Selbstkritik: Kommunisten, die für unsere gegenwärtige theoretische Rückständigkeit Stalin verantwortlich machen, sollten wir nun wirklich nicht als Gleichgesinnte akzeptieren. Nur ausgehend vom Klassenstandpunkt Unterdrückter und Ausgebeuteter lassen sich Lage, Notwendigkeiten und Entwicklungstendenzen richtig beurteilen.

Das ist jedoch Voraussetzung, um Einfluss auf gesellschaftliche Bewegungen zu gewinnen.    H. St.

Pkt

Aus dem Septemberheft der Roten Kalenderblätter

1970, zum 25. Jahrestag der Befreiung des deutschen Volkes vom Faschismus, erschien im Berliner Dietz-Verlag das Buch „Die Schulze-Boysen/Harnack-Organisation im antifaschistischen Widerstand“. Die Autoren, Karl Heinz Biernat und Luise Kraushaar, berichten in mehr als 50 Lebensbildern über den heldenhaften Kampf solcher Antifaschisten wie Harro Schulze-Boysen. In der Todeszelle verabschiedete er sich im Dezember 1942 von seinen Kampfgefährten mit den Worten: „Der Stunde Ernst will fragen: Hat es sich gelohnt? An dir ist’s nun zu sagen: Doch es war die rechte Front!“ Wer im Kampf gegen den Rechtsradikalismus nach Vorbildern sucht, wird sie bei Harro Schulze-Boysen und seinen Genossen finden.

Ulla Ermen schreibt im Augustheft über unseren Philosophen Hans Heinz Holz und den ersten Band seines Alterswerkes: „Von Hegel zu Marx – Aufhebung und Verwirklichung der Revolution“. In seiner „Algebra der Revolution“ erleben wir ein Stück Philosophiegeschichte als schöpferischen Prozess. Man wird der Autorin Recht geben, wenn sie Hans Heinz Holz zu den profiliertesten Denkern unserer Zeit zählt. Im Sinne von Marx, Engels und Lenin verbindet er wissenschaftliches Arbeiten mit politischem Engagement – ob als Mitglied der DKP, Professor in Marburg und Groningen oder als Buchautor und Herausgeber internationaler Zeitschriften für marxistische Philosophie und Politik. Dass er unser Parteiprogramm wesentlich mitgestaltet hat, zählt zu seinen besonderen Verdiensten als Wissenschaftler und Revolutionär in den Reihen der DKP.

Der demokratischen Bodenreform sind in unserem Septemberheft zwei Beiträge gewidmet. Wilhelm Pieck würdigte diesen historischen Schritt in der Geschichte unseres Landes unmittelbar nach dem Ende des Krieges in seiner Berliner Rede am 19. September 1945 mit den Worten: „Der Bauer wird zum freien Herrn auf seiner Scholle und zur kräftigsten Stütze der Demokratie im Dorfe.“ Und unser Genosse Leonhard Helmschrott, der zu dieser Zeit Redakteur bei der „Schweriner Volkszeitung“ war, berichtet in seinen Erinnerungen an die Bodenreform in Mecklenburg-Vorpommern: „Die vielen Briefe von Neubauern, die in bewegenden Worten ihr Glück schilderten, jetzt Bodenbesitzer zu sein, füllten ganze Wäschekörbe.“

Prof. Kurt Tiedke setzt sich in seinem Beitrag über den Beschluss des Parteivorstandes der SED vom 19. September 1947 „Über die Grundrechte des deutschen Volkes“ mit den so genannten „Aufarbeitern der SED-Geschichte“ auseinander. Es waren die in der SED vereinigten Kommunisten und Sozialdemokraten, die mit diesem Beschluss das Recht des deutschen Volkes auf ein einheitliches, friedliches und demokratisches Deutschland vertreten, während Adenauer und Schumacher mit Unterstützung der imperialistische Westmächten Deutschland gespalten haben.

Im Geschichtskommentar haben unsere Berliner Genossinnen und Genossen mit ihrem Wahlprogramm zu den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September das Wort. Wir stimmen ein in ihren Ruf: „Wählt Kommunistinnen und Kommunisten – gebt Eure Stimme der DKP“

Prof. Dr. Erich Kundel

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