Kommunismus (Teil XIX)

Obgleich die sozialistische Revolution doch nun in Deutschland gewiss keine aktuelle Aufgabe ist, führte die Frage nach einem friedlichen Verlauf (in der vergangen Folge in dieser Serie angesprochen) zu allerhand Entgegnungen. Wir sollten uns um nichts in der Welt von der in Deutschland seit eh und je üblichen hemmungslosen Hetze gegen Kommunisten und den Kommunismus beirren lassen. Zuerst einmal ist der Kommunismus eine zutiefst humanistische Weltanschauung, die auf den politischen Kampf für eine Ordnung der Gesellschaft orientiert, die allen ein menschenwürdiges Dasein ermöglicht. Für die dazu möglichen Wege und Mittel ist einzig die gesellschaftliche Wirklichkeit bestimmend. Nehmen wir es, so gesehen, aktuell. Man begreift langsam die Realität, dass die Volksrepublik China in Zukunft die stärkste Wirtschaftsmacht und dann Schritt für Schritt das wirtschaftliche Zentrum auf unserer Erde sein kann. Unter der Voraussetzung, diese Entwicklung wird nicht durch Krieg unterbunden, dürfte die Frage nach der friedlichen sozialistischen Revolution damit sehr praktisch entschieden sein: Sie wird sich dann friedlich vollziehen!

Das ist für Kommunisten nicht allein eine moralische Frage. Sozialismus und noch mehr Kommunismus, gedeihen nur unter der Voraussetzung einer dem Kapitalismus überlegenen Arbeitsproduktivität. Also erschwert jede Vernichtung von Produktivkräften, besonders von Menschen, die Gestaltung der neuen Gesellschaft. Was vernichtet mehr als Krieg? Hinzu kommt, Sozialismus ist nur mit Zustimmung und Mitarbeit einer großen Volksmehrheit möglich, zum Kommunismus kommt es ohne die erst gar nicht. Gerade der Kampf gegen Militarismus und Krieg war überall Kraftquell für Sozialisten und Kommunisten.

Wir haben bisher als wesentliche gesellschaftliche Triebkraft zum Sozialismus den Klassengegensatz von der besitzenden, ausbeutenden und infolge dessen auch herrschenden Menschengruppe zu den arbeitenden und ausgebeuteten Klassen und Schichten angesehen. Dieser Klassengegensatz bleibt der „westlichen Welt“, trotz US-way of life, objektiv erhalten. Inzwischen haben wir (hoffentlich) begriffen, dass längst der einschneidende Gegensatz von Imperialismus und abhängigen, oft direkt unterdrückten und stets ebenfalls ausgebeuteten Völkern elementare Bedeutung gewann. Zu lernen haben wir jetzt: Es ist ein weiterer globaler Faktor hinzugekommen: Um der Menschheit überhaupt ihre Lebensgrundlage auf unserer Erde zu erhalten, ist sie gezwungen, gemeinsam all ihre Kräfte aufzubieten. Das funktioniert nicht im Kampf der Mächte und Staaten gegeneinander! („In die Steinzeit zurück bomben“ ist eine bekannt gewordene US-Drohung gegen nicht kriechende Staaten.) Überhaupt funktioniert Gemeinsamkeit im Rahmen der finanz- und monopolkapitalistisch strukturierten Gesellschaft nicht. Nicht nur, weil sie kulturell Individualismus und Egoismus züchtet. Wenn nicht die realen Lebensnotwendigkeiten der Menschen und Völker bestimmend für Ziele und Wege von Arbeit und Wirtschaft werden, sondern der Gewinn von Banken und Unternehmen maßgeblich bleibt, muss alles falsch laufen.

Bei allen Fragen nach der Möglichkeit friedlicher Wege zur Überwindung des Kapitalismus und vor allem seiner imperialistischen Pest, muss gerade in Deutschland der gemeinsame politische Kampf von Sozialisten und Kommunisten gegen Kriegseinsätze von Bundeswehr, Europatruppen und NATO-Armeen, gegen das wieder ehrbar geschwindelte Kriegshandwerk und Söldnertum, gegen die dahinter stehenden Rüstungsimperien und politischen Strukturen aller Art im Zentrum stehen! Um so mehr, als der sich nun in der Bundesrepublik entwickelnde Militarismus längst nicht so offensichtlich ist, wie der zum Beispiel in den USA oder Frankreich. Doch beide sind unsere engsten militärischen Verbündeten!

H.St.

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