Michel am Abend nach der Wahl

Der Bundestagswahlkarneval ist zu Ende, einen Aschermontag wird es geben für einige Politjecken. Dennoch: Michel ist zufrieden, hat gewählt, wahrt seinen sozialen Besitzstand, so ist nun mal deutsche Tugend. Doch, das deutsche Land muss schon drittgrößter Waffenexporteur bleiben, denn es soll uns allen ja gut gehen. Allen? Deutsche Soldaten werden wieder in Kriege ziehen, nicht nur aus Bündnispflicht, wozu sonst sind sie schließlich da? Damit es richtig krachen kann, werden endlich Drohnen angeschafft, damit sie mit deutschem Kreuz als Hoheitszeichen Tod bringen, wie gehabt. Aus Afghanistan werden die“ Krieger zurückkommen und ihre Gedenkmauer für die Toten des zehnjährigen sieglosen Krieges mitbringen, vielleicht nach Berlin ans alte Schloss oder nach Potsdam an die Garnisonkirche. Michel ficht das nicht an. Er fühlt sich christlich demokratisch und sozial geborgen. Mit den blau plakatierenden Alternativen hat er ein bisschen geliebäugelt, aber so ganz geheuer ist ihm der Ausstieg aus dem Euro noch nicht, eben wegen des Besitzstandes. Und gegen Ausländer hat Michel nichts, noch weniger dafür, dass sie in der Nähe in eine verwahrloste Unterkunft sollen. Also: Nicht an Michels Zaun! Das mit den Lohnunterschieden in Ost und West, man hat sich dran gewöhnt, es ist ja schon seit dreiundzwanzig Jahren so, ohne dass es einem wirklich schlecht geht. Ach und das mit den ungleichen Renten, mein Gott, die Alten sterben auch ohne gleiche Rente oder? Mindestlohn, Hartz IV, Bankenkrise, Hilfspakete usw. Ja, da hat die Alleskannzlerin doch prima den Kahn gesteuert. Sicher auch, weil ihre Geheimdienste so klasse sind und alles vorher rauskriegen und sich nachher an nichts erinnern können. Daten an die NSA – na und? Michel hat sich nichts zuschulden kommen lassen und gleich gar nichts zu verbergen, er ist da völlig sorglos. Energiewende? Solange der Strom aus der Steckdose kommt, muss nicht gewendet werden. Da sollen die ruhig mit ihren Sonnenblumen Wedeln, die Grünen. Was bei Wenden herauskommt, hat Ostmichel noch gut in Erinnerung. Aus der Steckdose kommt auch Fernsehen und da hieß es am Abend nach der Wahl „Deutschland hat Sicherheit gewählt“. Na also weiter so! Dass die Linke überhaupt in den Bundestag kam, verwundert Michel schon, die kam doch in den Medien gar nicht vor. Und „100 Prozent sozial“ – wie soll das gehen mit Langschläfern? Alles so ein bisschen komisch bei denen. Was den gelben freien demokratischen Trittbrettfahrern passierte, das konnte nicht anders sein, glaubt Michel. Erst das Geschenk von und an Mövenpick und dann blieben die ja beim Picken der Politrosinen, das konnte nicht gut gehen, das hat Michel schon lange gewusst und am Stammtisch haben sie es auch gesagt. Also alles gut soweit.

Doch, da war noch was. Die NPD hat ziemlich dreist und gewalttätig Wahlkampf gemacht. Da waren dann auch immer linksextremistische Störer, kein Wunder, wenn die von der NPD immer aggressiver wurden. Schließlich sind die eine legale Partei und ihre Plakate waren von der Justiz zugelassen. Michel ist schon stolz auf die Polizei, die Ordnung schafft, schließlich kann die Zivilgesellschaft, wie sich der Laden nennt, nicht machen, was sie will. Na ja, wenn man so guckt, kann Michel die Hände überm Bauch falten, sein Bierchen schlürfen, die Zipfelmütze zurecht rücken, es geht: „Weiter so!“ Allerdings wohl nur solange, bis die in der Quatschbude sich wieder die Diäten erhöhen (das ist ja dran). Dann wird er mal mit der Faust auf den Tisch, nein, besser mit der flachen Hand ins kalte Wasser hauen und sich nass machen, glaubt

Till

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