O F F E N E R B R I E F

Sportgerichtsverfahren Regionalligaspiel SV Babelsberg 03 vs FC Energie Cottbus

Sehr geehrter Herr Milkoreit,

unsere Vereinigung ist ein Zusammenschluss aus rechtlich anerkannten Opfern des Naziregimes, deren Angehörigen und jungen Menschen, die sich antifaschistisch und demokratisch gegen neofaschistische und geschichtsrevisionistische Tendenzen engagieren.

Die VVN-BdA Brandenburg schätzt das Engagement des SV Babelsberg 03 gegen Rassismus und andere Formen der Diskriminierung im Stadion und in der Gesellschaft. Im Karl-Liebknecht-Stadion fanden in den letzten Jahren immer wieder Zeitzeugengespräche mit Überlebenden des Holocaust statt. Der Verein ist Mitglied im Bündnis „Potsdam bekennt Farbe“… Die aktive Babelsberger Fanszene organisiert seit 15 Jahren das Antirassistische Stadionfest „Der Ball ist bunt“ und führt gemeinsam mit unserer Vereinigung regelmäßig Gedenkstättenfahrten z.B. nach Sachsenhausen durch.

Diese klare demokratische Haltung führte in den letzten Jahren immer wieder zu Anfeindungen und Übergriffen von Neonazis und Rechtsextremen. Mitglieder unserer Vereinigung haben in den letzten zehn Jahren mehrfach bei Stadionbesuchen erleben müssen, dass gegnerische Fans Parolen wie „Juden, Juden und Zigeuner“ und „Arbeit macht frei, Babelsberg 03“ riefen. Immer wieder berichteten sie auch vom Zeigen des Hitlergrußes gegen den Babelsberger Fanblock.

Uns ist leider nicht bekannt, dass der Nordostdeutsche Fußballverband gegen diese Straftaten konsequent vorgegangen ist. Der Verfolgungseifer, den das Sportgericht nun an den Tag legt, weil ein Fan des SVB 03 „Nazischweine“ gerufen hat, steht in auffallendem Gegensatz zum Langmut, mit dem der NOFV rechte Propaganda und Gewalt gegen die Babelsberger Fanszene hinnimmt.

Bislang hatten wir gehofft, dass eine funktionierende Sportgerichtsbarkeit in letzter Instanz zu Entscheidungen kommt, die der gesamtgesellschaftlichen Bedeutung des Sports gerecht werden.

Inzwischen müssen wir den Eindruck gewinnen, dass der NOFV weder an einer umfassenden Aufklärung noch an einer fairen Beurteilung der Vorfälle am 28.04.2017 im Karl-Liebknecht-Stadion interessiert ist. Anders ist aus unserer Sicht nicht erklärbar, dass das zuständige Sportgericht sich dauerhaft weigert, die öffentlich problemlos zugänglichen Fotos und Fernsehaufnahmen zur Kenntnis zu nehmen und dass sich das Sportgericht hinter Formalien wie einer (tatsächlich oder vermeintlich) fehlenden Unterschrift unter einer Email versteckt, statt sich mit den rechtsextremen Tendenzen in den Fußballstadien zu befassen.

Wir möchten uns daher heute an Sie wenden, um Sie aufzufordern, die Bestrafung des SV Babelsberg 03 durch das Sportgericht Ihres Verbandes aufzuheben, soweit die Strafe dafür ausgesprochen wurde, dass Babelsberger Fans sich im Regionalliga-Heimspiel am 28.04.2017 lautstark gegen das Zeigen des Hitlergrußes und rechtsextreme Parolen im Cottbuser Fanblock geäußert haben.

Gleichzeitig erlauben wir uns, diesen Brief an die interessierte Presse weiterzugeben.

Mit freundlichen Grüßen

Harald Schink      Hannes Püschel

Sprecher des Landesvorstandes
der Vereinigung der Verfolgten des Naziregiemes
Bund der Antifaschisten

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