Roter Brandenburger Juli-August 2014

 

Roter Brandenburger

Ausgabe

 

ErsteHürde genommen!

Mitaller Kraft gegen den Krieg!

Sofeierten die Roten

Fakten und Gauner

“Tarifeinheit”= Streikverbot – Teil 3 und Schluss

Potsdam-Report: Demokratisches Potsdam

Der20. Juli 1944 – Attentat auf Hitler

Das Denkmal zu Ehren der Antifaschisten im Gamengrund

Symbolvernichter

Der Friede im Osten von Erik Neutsch

 

 

 

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Erste Hürde genommen!

 

 

Bis zum 25.7.2014 sind 2.173 gültige Unterstützerunterschriften für den Wahlantritt der DKP zur Wahl zum 6. Landtag Brandenburg beim Landeswahlleiter des Ministerium des Innern des Landes Brandenburg eingegangen und als gültig anerkannt worden. Bis nach dem Einreichungstermin wurden ca. 2.500 Unterstützerunterschriften gesammelt. Damit steht der Kandidatur der DKP zum 6. Landtag Brandenburg nichts mehr entgegen.
Nun gilt es für alle Gruppen, die DKP auf den Straßen sichtbar zu machen. Die Erfahrungen aus den Unterschriftensammlungen sollten genutzt werden, um dafür die Orte und Zeiten zu nutzen, möglichst vielen und möglichst aufgeschlossenen Brandenburgern unsere Standpunkte zu vermitteln.
Der Landesvorstand der DKP Brandenburg bedankt sich bei allen Brandenburgern, die der DKP die Unterstützungsunterschrift gegeben haben, sowie bei allen Helfern.

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Mit aller Kraft gegen den Krieg!

 

 

Was zwei Weltkriege, der blutige Rassismus in den Hauptländern des Kapitalismus und die Barbarei des Kolonialismus nicht bewirkten. Was die Millionen Opfer von fast sieben Jahrzehnten globalen „Kalten Krieges“ sowie die weltweite Konterrevolution vor rund einem Vierteljahrhundert nicht auslösten. Was nicht einmal die dem folgende Ostexpansion der NATO und der EU bis vor die Tore der Heldenstadt Leningrad hervorrief, das scheint nun die mörderische Kabale gegen die in der Ukraine lebenden Völker wach zu rufen: Die deutschen Kommunisten und ein Teil der Sozialisten besinnen sich endlich wieder des wesensbestimmenden Gens des Imperialismus, den Krieg! Höchste Zeit, um endlich den politischen Kampf gegen die imperialistischen Kriege als zentrale, als wichtigste Aufgabe der Gegenwart zu begreifen und entsprechend zu handeln. Schließlich läuft die praktische und ideologische Kriegsvorbereitung längst auf hohen Touren. Die ungeheuerliche NATO-Ostexpansion konnte sich ohne ernsthaften Widerstand vollziehen. Und seit dem Krieg zur Aufteilung Jugoslawiens haben sich allzu viele Deutsche an die Bundesrepublik als Krieg führendes Land gewöhnt. Auch tritt die „Liebe“ unserer allerhöchsten Würdenträger zu deutschen Waffengängen deutlich zu Tage. Und zeitgleich mit dem Morden in der Ukraine tobt es auch in zahlreichen Ländern Afrikas, Asiens und Amerikas. Aus für alle Friedensträume von 1989/90! Das können auch noch so viele Friedensnobelpreise nicht vernebeln. Zumal doch diese Preisträger überall zumindest mitballern. Nicht nur die Waffen werden immer heimtückischer. Wird man sich später wieder herausreden „wir haben niemals etwas gewusst“?
Seit sich der Kapitalismus zum Imperialismus hoch gewuchert hatte, spätestens seit 1914, schieden sich die „linken“ politischen Geister in Revolutionäre, Opportunisten, „Volkstümler“, Anarchisten und Pazifisten. Es waren stets die Revolutionäre, die in der Epoche klar und deutlich vor den bevorstehenden unvorstellbaren Kriegen warnten. Folgerichtig orientierten sie auch darauf, den Kampf gegen die Vorbereitungen der imperialistischen Kriege als Kernaufgabe anzupacken. Sie waren weitblickend genug, die revolutionären Potenzen zu erkennen, die aus den Schrecken dieser Kriege erwachsen würden. Schließlich käme es darauf an, die Waffen umzukehren, die die Herrschenden dem Volk aufgenötigt hatten. Dann könne man den Kriegen endgültig Einhalt gebieten. Der Erkenntnisvorsprung der revolutionären Kommunisten hatte eine solide Grundlage: sie hatten begriffen, der Imperialismus ist etwas anderes als der „Kapitalismus der freien Konkurrenz“. Heute hat man den Eindruck, viele, die sich als „links stehend“ ausgeben, haben das ein Jahrhundert nach den Morden an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg immer noch nicht kapiert.
Offen gesagt, ich leide heute richtig darunter, wenn Genossen die Kausalität von imperialistischem Weltmachtstreben und den sozialen und kulturellen Alltagsnöten des Arbeitsvolkes im In – und Ausland dumpf übersehen. Dabei ist es seit hundertzwanzig Jahren in allen imperialistischen Ländern unsere Kernaufgabe, diesen Zusammenhang und diese Wechselwirkung dem Arbeitsvolk bewusst zu machen! Einzig auf diesem Wege ist es zu politischem Handeln zu veranlassen. Mit Opportunismus oder Volkstümelei wird es eher den Kriegsbrandstiftern und Faschisten (das sind Zwillinge) überlassen oder gar in die Arme getrieben. Um hinterher nach Millionenfachen Opfern noch einmal saublöd zu fragen „wie konnte das geschehen“? Was hier zu lesen ist, ist doch absolut nichts Neues. Es handelt sich um uraltes, aus den Realitäten geschöpftes Wissen. Heute haben die Mittel des Volksbetruges HighTech-Qualität und die Konsequenzen heutiger Unterlassungen entsprechen dem Unterschied von Artilleriebeschuss und der Wirkung von Hunderten Atomraketen. Was mag uns da nur hindern, unsere zentrale Aufgabe zu erkennen und entsprechend zu handeln? Leider ist auch der über hundert Jahre alte Hinweis Rosa Luxemburgs in Vergessenheit geraten, dass die erste revolutionäre Handlung das Aussprechen von revolutionärer Wahrheit ist. Gewiss doch die erste, wenn auch beileibe nicht die einzige und nicht zu jeder Zeit die wichtigste. Aber mit dem Erleben und der richtigen Erkenntnis der Wirklichkeit sowie der Verbreitung der Wahrheit, fangen nun einmal sowohl echte Reformen als auch Revolutionen überhaupt erst an.. Ohne dies läuft nichts im Interesse des Volkes. Im Grunde sind das Binsenwahrheiten und doch noch nicht Richtschnur politischen Vorgehens..
Wo liegt denn im heutigen Deutschland, dessen enorme menschliche, materielle und kulturelle Potenzen eher vergeudet als entfaltet werden, die Hauptursache für all die sozialen und kulturellen Nöte, die Teile des Volkes bedrücken? Deutschland hat seit dem Ende des verflossenen Jahrhunderts wieder weltweit „Verantwortung“ übernommen: wirtschaftlich, ordnungspolitisch, „menschenrechtlich“ Militärisch, rüstungspolitisch, waffentechnisch, kulturell-ideologisch. Das alles kostet! Wir werden kaum je erfahren, wie teuer uns die Ukraine schließlich tatsächlich zu stehen kommt. Dennoch sollen wir immer mehr dieser Art „Verantwortung“ übernehmen. Das kostet auch immer mehr. Nicht nur Geld, es kostet uns auch die Kultur. Denn ein Volk, welches sich anmaßt, andere Völker „zu führen“, ist auf dem Weg zum Herrenmenschen-Volk! Das hatten wir schon. Das kostete schließlich nicht nur Geld und Kultur, sondern Menschenleben en gros. Dennoch bewegen wir uns nun zum dritten Mal auf Weltmacht – Trip. Ohne Zweifel wird im Moment in Germany auf diesem Weg ordentlich Profit gemacht. Nur wird mit diesen Gewinnen kein Krankenhaus besser gestellt, keine Wohnung bezahlbarer und niemand durch neuen Mindestlohn glücklich. Eher erklärt sich aus diesen Gewinnen die Zunahme der Anzahl deutscher Millionäre um 11,4 Prozent allein im vergangenen Jahr 2013. Nun zählt Deutschland stolz 1,13 Millionen solcher Leistungsträger, von denen jeder in der Lage ist, mehr als eine Million von seinem Gesamtvermögen „anzulegen“! „Leistungsträger“ eben. (Anmerkung: Da es sich um internationale Statistik handelt, ist hier nicht von Euro, sondern von Dollar die Rede. Auf ein paar Tausender kommt es in jenen Kreisen ohnehin nicht an.) Soll alles nur heißen, Großmachtwahn macht Deutschland nicht reich, sondern nur die längst geadelten Leistungsträger. Die aber investieren ihren Reichtum in immer stärkeres Weltmachtstreben. Aus deren Sicht war der Kiewer Maidan Freiheitskampf. Das stimmt ja auch: Freiheit global für das deutsche Großkapital. Und so weiter und so fort.
Der erste Weltkrieg hatte die Deutschen zur Revolution motiviert. Dass schon sieben Jahre danach des Kaisers Generalfeldmarschall deutscher Präsident war und wir nach weiteren sieben Jahren „den größten Führer aller Zeiten“ hatten, lag schlicht und einfach daran, dass Liebknecht und Luxemburg zu spät erhört und früh ermordet wurden, während sich die Sozialdemokratie auf Freikorps und sonstige Militaristen als „Ordnungsfaktor“ stützten! Nach dem zweiten Weltkrieg konnte die DDR den imperialistischen Teil Deutsclands vier Jahrzehnte lang hindern, ernut „Verantwortung“ für die Welt zu übernehmen. Inzwischen stehen wir wieder vor den Toren Leningrads, in Jugoslawien, am Hindukusch, wollen heute Georgien, Moldawien, die Krim und morgen die ganze Welt „befreien“. Selbst 1,3 Milliarden Chinesen wollen wir „erziehen“, sind selbst jedoch unfähig, diese Großkotzigkeit als solche auch nur wahrzunehmen.. Aber: 70 Prozent der Deutschen wollen nicht den Krieg. Was wäre es für ein gewaltiger Fortschritt, wenn sie ihrem Wunsch öffentlich kräftig Ausdruck verleihen würden. Und für alle meine lieben Genossen gesagt: Ohne Krieg kein Imperialismus!

H. Stahl

 

 

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So feierten die Roten

 

 

Am letzten Juniwochende übernahmen wieder, nach langen drei Jahren, die Kommunisten das Kommando im Ruhrpott. Nun ja, wenigstens im Revierpark Wischlingen, Dortmund. Die DKP lud alle Interessierten ein, die Partei aus allen Winkeln des Landes kennen zu lernen. Aber auch viele internationale Gäste präsentierten sich und ihre politische Arbeit. Neben vielfältigsten Kullinarischem gab es interessante Diskussionsforen. Dazu kamen Kunst und Kultur nicht zu kurz. In der Eishalle wurden Bücher und Bilder an Mann und Frau gebracht und in allen Zelten traten Künstler verschiedener Genres auf. Auf der Hauptbühne waren Esther Bejarano und die Microphone Mafia sowie Konstantin Wecker die Publikumsmagneten. In dem Zelt der Jungen Welt wurden durch verschiedene Künstler die, in der Zeitschrift „Melodie und Rythmus“ ermittelten, besten Arbeiter- und Kampflieder zum Besten gegeben. Und in der Nacht traten vor allem Gruppen auf, die Lieder zum Mitmachen zum Besten gaben.
Trotz des etwas wiedrigen Wetters war das Fest gut besucht. Man traf alte Bekannte und lernte neue kennen, und diskutierte und …
Die Ostdeutschen Landesverbände und Berlin bauten wieder ein gemeinsames „Dorf“ auf. Viel Interesse fand Olga Levchenko, Mitglied des ZK der KP der Ukraine. Sie berichtete über die Lage in der Ukraine und vor allem über die schwierigen Bedingungen für die Kommunisten.
Der Landesvorstand dankt allen Helfern, die dies gelungene Fest ermöglicht haben. Bis zum nächsten mal in Dortmund.

PoFa

 

 

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Fakten und Gauner

 

 

Erinnern wir uns noch, wie rührend sich unsere edle Kanzlerin bemühte, um ihre Todkranke ukrainische Exkollegin Timoschenko vor deren Präsidenten und offenbar unfähigen ukrainischen Ärzten zu retten? Plötzlich, nach der Brandnacht des MAIDAN, in der bekannte „Menschenrechtler“ den ukrainischen Präsidenten verjagten, rief die Todkranke tatenfroh aus, sie möchte eigenhändig zur MPi greifen und dem russischen Präsidenten Löcher in den Kopf schießen. Diesen humanitären Vorsatz setzte sie zwar nicht in die Tat um. Stattdessen bombardierten Kampfflugzeuge ihrer Kumpane pro-russische (!) Russen ukrainischer Staatsbürgerschaft. Auch Artillerie und Panzer beschossen die anders denkenden Ukrainer aus Menschenrechtsgründen. Im Fernsehen des freien Deutschland sah man davon wenig. Auch schämte man sich in diesen Tagen nicht, stattdessen sowjetische Panzer in Berlin zu zeigen, vom 17.6.1953. Die hatten damals keinen Schuss abgefeuert! Unter den 61 Jahre später in der Ukraine von den Handlangern von NATO und EU gemordeten Kindern, Frauen und Männern, befanden sich wohl auch Timoschenkos, denn dieser Name ist dort kein Einzelfall. Nur traf es eben nicht die Timoschenko, die in einer Angela Merkel Menschenrechtsgefühle wecken. Die Bestrafung Russlands liegt ihr offenbar näher am Herzen. Zeitgleich rief unser christlicher Bundespräsident (der den mörderischen Stasi-Terror in der DDR überraschend überlebte, obgleich er die DDR-Schwerter zu Pflugscharen machen wollte), zu höherer Bereitschaft für Bundeswehreinsätze im Ausland auf! Das dürfen wir nicht als Unaufrichtigkeit ansehen (predigt ausgerechnet jetzt der in der Linkspartei so geschätzte Pfarrer Schorlemmer). Schließlich gehen deutsche Bundis im Kampfanzug ganz gewiss nicht mit tödlichen Schwertern auf ihre bösen Feinde los.
Bei all dem bleibt der Auslöser des Mordens in der Ukraine und des unglaublichen Herumfummelns „der Politik“ an den Schaltknöpfen des dritten Weltkrieges, für das freie Volk der Deutschen völlig im Ungewissen. Dieses „Versäumnis“ der freien deutschen Massenmedien kann der Rote Brandenburger natürlich nicht ausgleichen, aber wenigstens seinen Leserkreis korrekt informieren. Also: der Ausgangspunkt des Mordens in der Ukraine war die Weigerung des damaligen ukrainischen Präsidenten, ein bestimmtes Assoziationsabkommen mit der EU zu unterschreiben. Daraufhin stürzte die deutlich USA, – EU – und NATO – gestützte Maidan-Bande diesen Präsidenten und trieb ihn mit Todesdrohungen aus dem Land. Soweit ist die Chose hier manchem noch bekannt. Doch fängt die eigentliche Sauerei an dem Punkt erst an. Denn der verjagte Präsident war ein eifriger Befürworter der Zusammenarbeit von Ukraine und EU! Nur stand in dem zu unterschreibenden Vertrag ein Paragraf, der kurzgefasst besagte: Die bisherige Zusammenarbeit der Ukraine mit Russland widerspricht dem Sinn und den Zielen dieses Assoziationsvertrages! Damit ging es nun nicht mehr einfach um die Zusammenarbeit mit der EU, sondern um die Entscheidung, entweder Zusammenarbeit mit der EU oder mit Russland! Dergleichen kann kein Ukrainischer Präsident unterschreiben – es sei denn, er verrät sein Volk, ob es nun ukrainischer oder russischer Herkunft ist. Wer auch nur eine Ahnung von den historisch gewachsenen wirtschaftlichen und kulturellen Verflechtungen der Ukraine und Russlands hat, vermag vielleicht die verheerenden Folgen dieses Paragrafen zu erkennen.
Zu allem Überfluss unterstellten die Maidan – Ganoven Putin genau die Gaunerei, die sie selbst gerade betrieben, und an Putin-Phobie erkrankte Zeitungen und Kabarettisten plapperten das ungeprüft nach. Diese politische Handschrift ist bekannt. Es ist die der stärksten Atomwaffenmacht der Erde, die ihre mörderische Aggression gegen ein anderes Land mit der Lüge begründete, dieses Land habe über Atomwaffen verfügt. Allerdings teilten auch Zeitungen ihren Lesern mit, der neue Präsident der Ukraine hätte sich bereits vor langer Zeit als CIA-Agent verdingt. Das kann ich nicht beurteilen. Auch konnte ich bis zur Fertigstellung dieses Textes nicht in Erfahrung bringen, ob der verheerende Passus in dem Vertragstext geblieben ist, den der ukrainische Bürgerkriegspräsident inzwischen forsch unterschrieben hat. Soviel zum unmittelbaren Auslöser des Mordens in der einst zweitgrößten Sowjetrepublik.
Anlass oder Auslöser sind besser nicht mit Ursachen zu verwechseln. In diesem Fall liegen die Ursachen in Fakten, die im Grunde durchaus bekannt sind, jedenfalls bei Realisten ohne Bretter vorm Kopf. Während die „Internationale Gemeinschaft“ (bestehend aus den USA bzw. den
„G 7“!), der Menschheit heuchlerisch einredete, mit ihrem Sieg über die kommunistische Bedrohung, sei der Kalte Krieg vorbei, inszenierte sie nicht nur einen Krieg und einen Umsturz nach dem anderen. Sie modernisierte auch ihre Hightech- Waffen, ihre Potenz zur Überwachung des ganzen Planeten und der Menschheit. Und sie weitete ihre aggressiven Bündnissysteme aus, als gelte es, sich auf einen unmittelbar bevorstehenden Weltkrieg einzustellen! Es lohnt sich, einmal auf der Karte anzuschauen, wie weit NATO und EU nach dem vorgetäuschten Ende des Kalten Krieges in Europa gen Osten und Süden vordrangen. Unfassbar! Dabei leckten die Betreiber dieses militaristischen Prozesses erst richtig Blut. Unverhohlen stehen Georgien, Moldawien, die Ukraine und andere bedauernswerte Opfer auf der Agenda der selbstermächtigten globalen Führungsmächte. Darin liegen die Ursachen des ukrainischen Vulkans. Und eine idiotische Opposition verhält sich, als hätte Putin den Freistaat Bayern soeben zur russischen Einflusszone erklärt und betreibe aggressiv die Aufteilung der Vereinigten Staaten von Amerika.
Alles wie einst, als die Polen mit dem Überfall auf den arisch deutschen Sender den zweiten Weltkrieg verschuldeten. .Alles wie immer: erst wird das Volk verkohlt und wenn es sich das gefallen lässt, wird es in Kriegen verbrannt. Imperialismus seit 120 Jahren und nichts daraus gelernt?

H.Stahl

 

 

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“Tarifeinheit” = Streikverbot – Teil 3 und Schluss

 

 

In den ersten Teilen schilderte der Autor, warum die Arbeitgeber die Tarifeinheit wollen und warum der DGB dabei auf der Seite des Kapitals ist. Er zeigt, dass die Gewerkschaften mit Verantwortung dafür tragen, dass die Gründung der Spartenvertretungen erfolgte.
Die Kapitalvetreter hoffen bei der Durchsetzung der Tarifeinheit auf die entsprechenden Aussagen der großen Koalition.
Kommt es dazu (die Tarifeinheit A.d.R.) , was zu befürchten ist, wird mit der Aberkennung des Streikrechts für die o.g. Gewerkschaften ebenso dem Durchsetzungsvermögen der Gewerkschaften und der Kampfkraft der Arbeiterklasse insgesamt schwerer Schaden zugefügt. Mit der Unterstützung der opportunistischen Gewerkschaftsführer im Rücken, könnte die große Koalition das als Einverständniserklärung zu weiteren Angriffen auf die Arbeiterklasse begreifen. Auf diese Weise ließe/lässt sich die jeweils fürs Kapital notwendige „Rechtsgrundlage“ herstellen, um lästige Hindernisse beim Profitmachen nach Möglichkeit „verfassungskonform“ und „legal“ aus dem Weg zu räumen. In einer Situation, in welcher der geschäftsführende Ausschuss des Kapitals, die Koalitionsregierung in Berlin, die Ausweitung der Übernahme „deutscher Verantwortung in der Welt“ lautstark verkünden lässt, ist das Mitmachen der Gewerkschaften von besonderer Bedeutung. Die haben sich in dem Sinne in ihrer mit den Kapitalisten vereinbarten Gesetzesintiative bereits von „Sozial- auf Verantwortungspartnerschaft“ gesteigert und den Gewerkschaften sozusagen die Mitverantwortung für das Funktionieren des kapitalistischen Ausbeutungssystem übergestülpt. Entsprechend wird darin u. a. erklärt: „Die Verantwortungspartnerschaft der Tarifpartner erfordert, die Gesamtheit der Wirtschafts- und Arbeitsbedingungen der Betriebe zu berücksichtigen.“ Was hierbei von der Regierung mit Verantwortung gemeint ist, wurde in nicht misszuverstehender Offenheit in den vergangenen Tagen z. B. von ihren Sprachrohren Gauck, von der Leyen u. a. erklärt. Im Klartext: Vor allem auch militärisch mehr tun, um dem deutschen Imperialismus Einfluss- und Absatzgebiete sowie Rohstoffquellen nicht nur zu sichern, sondern die Zugriffsmöglichkeiten darauf auszudehnen, wenn nötig mit Waffengewalt. Um dieses Programm möglichst ungestört durchziehen zu können, ist „Ruhe und Akzeptanz an der Heimatfront“ immer noch eine notwendige Voraussetzung. In dieses Konzept könnte es wie die Faust aufs Auge oder erste Probe passen, die an Schaltstellen sitzenden „Spezialisten“, wie Lokomotivführer, Piloten, Bodenpersonal am Flughafen, Ärzte u. a. vorausschauend (mit der Option zur „Dienstverpflichtung“) als Risikofaktoren zu entrechten, indem man sich über ihr Streikrecht hermacht bzw. es in die Hände erprobter „Mehrheitsgewerkschaften“ legt. Mit Unterstützung dieser ständig die Kapitalinteressen bedienenden Politik, in diesem Fall Streikbruch und Schwächung der eigenen Kampfkraft im großem Stil, befinden sich die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer wieder auf dem Weg, bei dem ihre Vorgänger durch die Zusammenarbeit mit dem Kapital sich selbst und die gesamte Gewerkschaftsbewegung in den letzten 100 Jahren ans Messer geliefert haben. Im ersten imperialistischen Weltkrieg, zu dessen hundertstem Jahrestag in diesem Jahr viele Veranstaltungen stattfinden, haben die damaligen Gewerkschaftsführer nicht nur das Streikrecht eines Teils der Lohnabhängigen geopfert, sondern gleich die gesamte Arbeiterklasse mitsamt Streikrecht. Das als „Burgfrieden“ bekannte Stillhalteabkommen wurde vereinbart zur Unterstützung des deutschen Imperialismus beim Überfall auf andere Völker. Zu dieser Geschichte gehört das Verhalten der opportunistischen Gewerkschaftsführer genauso wie ihre Ablehnung zum Aufruf des Generalstreiks, um 1933 die Machtübertragung an die Hitlerfaschisten zu verhindern. Stattdessen machten sie den Faschisten noch Angebote zur Zusammenarbeit, als schon längst die eigenen Leute umgebracht wurden, sozialdemokratische Politiker auf Kühen gebunden durch die Dörfer getrieben und z.B. im Konzentrationslager Dachau Gewerkschafter, Sozialdemokraten, Kommunisten, Priester und andere demokratisch gesinnte Menschen ermordet wurden.
Detlef Hensche spricht von Selbstverleugnung (s.o.), das ist der ständige Verrat der eigenen Klasseninteressen. Ein großer Teil der sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer – allen voran die IGM-Spitze – hat es dabei zur Selbstverständlichkeit gemacht, die Gewerkschaften zur Durchsetzung von Kapitalinteressen („Standortsicherung“, Sicherung der Konkurrenzfähigkeit des deutschen Imperialismus) zu missbrauchen – einem Zweck, zu dem sie nie gegründet wurden. In diesem Sinne geht kein Weg daran vorbei, sich an der gewerkschaftlichen Basis, in Betrieben und Verwaltungen ein Bild davon zu machen, wohin diese Politik geradezu zwangsläufig wieder führen muss. Der oben angesprochene Jahrestag – Beginn des ersten Weltkrieges – im Zusammenhang mit der Unterstützung der Gewerkschaftsführer für das o. g. Streikverbot, bieten Anlass genug, um das z. B. mit dem Thema: „Gemeinsam aus der Geschichte lernen“ in den Gewerkschaften (dringend) zur Diskussion zu stellen. Soweit es hierbei um die sogenannte „Tarifeinheit“ oder „solidarische Tarifpolitik“ geht, kann es dabei nur um die Solidarität und Wiederherstellung der gewerkschaftlichen Einheit mit den angegriffenen Kolleginnen und Kollegen in den „Minderheits“-Gewerkschaften, mit Lokomotivführern, Piloten, Ärzten und allen anderen, die genannt sind, gehen. Das ist mit eine Voraussetzung dafür, um eventuell die Diskussion über eine andere Gesellschaftsordnung wieder beginnen zu können und die gewerkschaftsschädigende Politik der Gewerkschaftsführer zu beenden, bevor der Rest gewerkschaftlicher Kampfkraft vollends ruiniert ist und die Gewerkschaften komplett an die Wand gefahren werden.

Ludwig Jost
Übernommen von KAZ Nr. 346/2014

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Potsdam-Report: Demokratisches Potsdam

 

 

Potsdam ist eine Filmstadt. Ein Film wurde hier nicht gedreht, er findet hier immer wieder statt. „Und ewig grüßt das Murmeltier“.

Garnisonkirche, zum …

Das Thema Garnisonkirche ist immer wieder am Kochen. Mit dem von der Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ gestarteten Bürgerbegehren hat sie wohl einen wunden Punkt getroffen. Obwohl die dort zur Meinungsbekundung gestellte Problematik auf rechtlich wackligen Füßen steht, waren die Vertreter des Wiederaufbaus sichtlich betroffen. Sie fürchten scheinbar, dass sich zeigt, dass der Wiederaufbau der Garnisonkirche nicht im Interesse der Mehrheit der Potsdamer ist. Schon gar nicht, wenn dafür öffentliche Gelder verwendet werden sollen.
Dafür geht man auch mal gern in den Tarnmodus. Vom ehemalige Brandenburger „Landesvater“, Manfred Stolpe, war nun der Vorschlag zu vernehmen, die Garnisonkirche nicht als solche zu benennen, sondern sie doch Heiligkreuzkirche zu nennen. Damit ist doch der ihr anhaftende Makel getilgt. Die Bürgerinitiative „Potsdam ohne Garnisonkirche“ stellte, unter anderem in einem Streitgespräch von Manfred Stolpe mit Lutz Böde, klar, dass es darum geht, dass die Potsdamer entscheiden sollten, was an diesem exponierten Platz gebaut werden soll und wie die Erinnerung an die Ereignisse um die Garnisonkirche gestaltet werden sollten. Das Streitgespräch kann man sich unter www.maz-online.de ansehen.
Das Bürgerbegehren der Bürgerinitiative wurde von Anfang an als unnütz und schädlich für Potsdam bezeichnet. Kurz vor dem scheinbar erfolgreichen und auch schnellem Ende der Unterschriftenaktion, meldete sich via Facebook die Fördergesellschaft für den Wiederaufbau der Garnisonkirche Potsdam e. V. (FWG). Sie beklagte, dass solch „schmuddlige“ Objekte, wie das Kulturzentrum „Archiv“ mitreichlich städtischen Mitteln gefördert werden und solche „Glanzpunkte“, wie die Garnisonkirche so in der Kritik steht.
Lutz Böde, Stadtverordneter der Fraktion die Andere und Mitinitiator des Bürgerbegehrens, stellte klar, das dies auch erklärter Willen der Potsdamer ist. Sowohl „Archiv erhalten“ und „Kein Geld für die Garnisonkirche“ landeten auf Platz eins des Potsdamer Bürgerhaushalts.
Vor der Meinung des Volkes scheint unsere Stadtregierung so richtig Angst zu haben. Sie will sie lieber gar nicht erst wissen. Nach erfolgreichem Abschluss des Bürgerbegehrens musste sich die Stadtverordnetenversammlung (SVV) mit der Fragestellung befassen. Lehnt sie dieses Begehren ab, muss eine Bürgerbefragung erfolgen. Zeitlich drängten die Unterstützer der Bürgerbefragung auf eine Zusammenlegung mit den Landtagswahlen. Das ist sinnvoll, gehen doch sowieso etliche Potsdamer zu den Wahlurnen. Das ist schlecht, könnte ja sein, die Mehrheit der Potsdamer ist gegen den Wiederaufbau. Die Stadtregierung könnte auch den Termin der Befragung nicht mit den Landtagswahlen zusammenlegen. Die Aussichten auf ein Scheitern wären größer. Muss aber nicht sein. Das ist schlecht, es gibt ein schlechtes Image und das Ergebnis ist ungewiss.
Also, erfolgte ein ganz tiefer Griff in die Trickkiste der Demokratie. Die um die SPD gescharrten Parteien der „Regierungskoalition“ sorgten mit einer Stimmenthaltung für die Annahme des Bürgerbegehrens. Die Fraktion „die Andere“ lehnte ab (sie wollten ja die Bürgerbefragung), aber die Abgeordneten der Partei die Linke stimmten dafür. Nun muss der Oberbürgermeister prüfen, ob die Stadt Potsdam eine Möglichkeit hat, aus der Stiftung auszutreten oder die Stiftung aufzulösen. Der OB wird prüfen und prüfen und… , aber er wird voraussehbar zu einem negativen Ergebnis kommen. Und das Volk muss dann nicht gefragt werden. Demokratie (Herrschaft des Volkes).

Demokratie der Stärkeren

Ein weiteres Lehrstück zum Thema Demokratie gab es Ende Juni. Die „Regierungskoalition“ setzte durch, dass die Anzahl der Mitglieder in den Fachausschüssen reduziert wurden. Das hat zur Folge, dass die kleinen Fraktionen, wie zum Beispiel „die Andere“, nicht mehr in allen Ausschüssen vertreten sind. Sie müssen sich jetzt die Fachausschüsse teilen. Die kleinen Fraktionen scheinen sich zu oft in den schönen reibungslosen „Demokratieablauf“ eingemischt zu haben. Und wieder grüßt das Murmeltier: „Wir können sie nicht zwingen die Wahrheit zu sagen, nur dazu immer dreister zu lügen.“

Gedenken an den 1. Weltkrieg

Es gibt auch erfreuliche Nachrichten aus Potsdam. Anlässlich des 100. Jahrestages des 1. Weltkrieges gedachten am 1. August gemeinsam die Antifaschistische Bibliothek „Fritz Teppich“, der Verein zur Sammlung antifaschistischer Biographien, die DKP Potsdam und Umland und weiteren Gästen allen Opfern imperialistischer Aggressionen im 20. und 21. Jahrhundert. Am Denkmal „Befreiung“ auf dem Gelände des FreiLand Potsdam wurden Blumen niedergelegt und der vielen Millionen Toten imperialistischer Kriegspolitik gedacht. Anschließend wurde ein Film zum Attentat in Sarajevo gezeigt.
Frank Novoce

Die Fraktionen erklären ihr Stimmverhalten

Lutz Boede, „Die Andere“

Wir haben der Rathauskooperation nicht abgenommen, dass sie das Anliegen des Bürgerbegehrens als eigenes übernimmt. Deswegen wollten wir den Weg frei machen für einen Bürgerentscheid. Dies ging nur, indem wir gegen die Übernahme des Begehrens durch die Stadtverordneten gestimmt haben. Wir haben ja in der Auszeit während der Stadtverordnetensitzung noch mal versucht, mit der Linken zu sprechen. Wenn die Linke auch gegen das Bürgerbegehren gestimmt hätte, wäre der Weg frei gewesen für den Entscheid. Wir waren die Guten! Trotzdem finden wir es gut, dass die Stadtverordneten sich erstmals deutlich gegen die Garnisonkirche ausgesprochen haben.

Sascha Krämer, Die Linken-Kreischef

Indem wir für das Bürgerbegehren gestimmt haben, sind wir dem Votum der Bürger nachgekommen. Wir wollten kein taktisches Spiel spielen; sind uns treu geblieben. Die Rathauskooperation sowie AfD und Bürgerbündnis/FDP haben ein Misstrauensklima geschaffen, das nur noch taktische Spiele zulässt. Ein redliches Abstimmen im Sinne der Sache ist da fast nicht mehr möglich. Angesichts der Mehrheitsverhältnisse hätten wir wohl auch nicht die Koppelung des Bürgerentscheids an die Landeswahl durchgekriegt Das Abstimmungsergebnis ist ein Signal nach außen: Dass die Stadt Potsdam gegen das Projekt ist.

Mike Schubert, SPD-Fraktionschef

Wir haben uns enthalten, weil die Frage nicht – wie öffentlich häufig behauptet wurde – lautete: „Garnisonkirche, ja oder nein?“ Sondern weil die Frage lautete: „Soll der Oberbürgermeister alle rechtlichen Schritte nutzen, um die Garnisonkirchstiftung aufzulösen?“ Dazu hat er aber keine rechtlichen Möglichkeiten. Die Diskussion um die Kirche muss jetzt weitergeführt werden. Dazu müssen Stiftung, Verwaltung und Stadtpolitik gemeinsam einen Weg beschreiten. Ich würde mich freuen, wenn man die Vorschläge von Alt-Ministerpräsident Stolpe aufgreift. Er hat angeregt, dass man die Brüche der Geschichte architektonisch darsellen soll und zuerst den Turm aufbauen muss.

Saskia Hüneke (Bündnisgrüne)

Wir sehen, dass beim Thema Garnisonkirche als Ort der Versöhnung noch viel Gesprächsbedarf besteht, zum Konzept und zu Fragen der Baugestalt. Die Kirche sollte sich mehr der Öffentlichkeit stellen, die Gegner zu einer sachlich-konstruktiven Ebene finden. Wir schlagen einen neutral moderierten Diskurs vor sowie ein Werkstattverfahren…

Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung

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Der 20. Juli 1944 – Attentat auf Hitler

 

 

Das Attentat vor 70 Jahren hatte einen langen Vorlauf. Bereits im Jahr 1933 warnte der damalige Chef des Heeres-Generalstabs Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord vor Hitler. Er übermittelte am 26. 1. 1933 Hindenburg seine persönlichen Bedenken, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen. Der absolute Hitlergegner trat 1934 aus Abneigung gegen das NS-Regime aus dem Militärdienst aus. Er suchte gleichgesinnte oppositionelle Offiziere, um Hitler zu beseitigen.
Der Berufsoffizier Ludwig Beck, der das NS-Regime vorbehaltlos begrüßte und zum Chef des Generalstabes aufstieg, geriet durch die Einführung des Eides auf den Diktator in einen anfänglichen Gewissenskonflikt zur Person Hitler. Er lehnte einen Angriff auf die Tschechoslowakische Republik als Abenteuer ab und reichte seinen Rücktritt ein. In den nachfolgenden Jahren bemühte er sich, um den Zusammenschluss bürgerlich-liberaler und nationalkonservativer Widerständler. Er übernahm die Führung dieses Kreises und arbeitete intensiv an der Vorbereitung eines Staatsstreiches. Über Carl Goerdeler wurden bürgerliche Kreise dazu einbezogen.
Die sich von Monat zu Monat verschlechternde Lage im Kriegsverlauf des Jahres 1944 beeinflusste die innenpolitische Lage des NS-Regimes. Je näher die unvermeidliche Niederlage heranrückte, desto mehr vertiefte sich die Krise, in die die NS-Diktatur geraten war. Ein Ausdruck dafür war das Anwachsen des antifaschistischen Widerstandes zu diesem Zeitpunkt, dessen Möglichkeiten auf Grund der anwachsenden Sorge und Unzufriedenheit der Bevölkerung größer wurden. Das braune Terrorregime verstärkte seine Zwangsmaßnahmen, um der Unzufriedenheit der Menschen zu begegnen und um das Äußerste aus den Volksmassen für die Fortsetzung des Krieges herauszuholen.
Die oppositionellen Persönlichkeiten um Ludwig Beck und Carl Goerdeler erkannten an Hand der aussichtslosen Kriegslage der NS-Diktatur, dass im Sommer 1944 der Sturz Hitlers unbedingt erfolgen müsste, wenn man die Fortsetzung der Kampfhandlungen auf deutschem Boden verhindern wollte. Im Herbst 1943 kam der Generalstabsoffizier Claus Schenk Graf von Stauffenberg mit Männern zusammen, die bereits über einen längeren Zeitraum Schritte zur Beseitigung Hitlers planten, um das Völkermorden zu beenden. Sein Weg zum Widerstand gegen das NS-Regime verlief von der Bejahung Hitlers bis zum konsequenten Attentäter am 20. Juli 1944.
Stauffenberg entwickelte sich zur treibenden Kraft des militärischen Widerstandes. Auf die Männer um den Patrioten blieben das Programm und die Politik des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ nicht ohne Einfluss. Die Politik des Nationalkomitees, entnommen aus Flugblättern, die in die Hände der Verschwörer gelangten, gab ihnen auf viele bislang ungelöste Fragen eine Antwort. Die konstruktive Idee zur Bildung einer Einheitsfront aller Hitlergegner zu realisieren, fiel bei Stauffenberg und seinen engsten Mitstreitern auf fruchtbaren Boden. Er begann mehr und mehr zu begreifen, dass nur im Zusammengehen mit der Arbeiterklasse ein echter Ausweg möglich sei. Stauffenberg veranlasste, dass General Lindemann mit der Bewegung „Freies Deutschland“ Kontakt aufnahm.
Die Anschauungen Stauffenbergs, die immer stärker einen antifaschistischen und demokratischen Charakter annahmen, liefen darauf hinaus, die faschistische Diktatur durch eine demokratische Republik zu ersetzen, wenn der Sturz Hitlers erfolgt sei. Gemeinsam mit dem Sozialdemokraten Dr. Julius Leber trat er für eine Zusammenarbeit mit der kommunistischen Widerstandsorganisation unter Leitung von Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein in Berlin ein. Stauffenberg betrachtete es auch als moralische Pflicht, die Unabhängigkeit der vom deutschen Imperialismus unterjochten Völker wiederherzustellen. Für die Offiziere um Stauffenberg war bezeichnend, dass sie entschlossen daran gingen, das geplante Attentat umzusetzen.
Die Ziele der fortschrittlichen Persönlichkeiten um Leber, Graf v. Moltke und Schenk v. Stauffenberg standen im Gegensatz zu der reaktionären Gruppe um Goerdeler.
Am 20. Juli 1944 sollte Stauffenberg in Hitlers Hauptquartier in Rastenburg/Ostpreußen (Wolfsschanze) zum Vortrag erscheinen. Er wollte diese Dienstreise nutzen, um mit einem Sprengstoffanschlag Hitler zu töten. An diesem Tag gab Oberst Graf von Stauffenberg mit dem Bombenattentat auf Hitler das Signal zum Sturz des NS-Regimes. Diese Aktion sollte der Ausgangspunkt für die Beendigung des Völkermordens sein. Das Attentat und der Umsturzversuch scheiterten jedoch. Claus Graf Schenk von Stauffenberg, Werner v. Haeften, Friedrich Olbricht und Albert Mertz v. Quirnheim, die bis zuletzt Mut und Tatkraft unter Beweis gestellt hatten, wurden noch in der Nacht zum 21. Juli 1944 im Hof des Bendlerblocks erschossen.
Am 16. August 1944 analysierte Anton Ackermann vor Mitgliedern des Nationalkomitees „Freies Deutschland“ in der Sowjetunion das Attentat. Er bezeichnete die Aktion als einen Anschlag gegen das NS-Regime, der trotz aller notwendigen Einschränkungen den Zeitpunkt bis zur Befreiung des deutschen Volkes vom Joch des Faschismus verkürzen helfen werde.

Dr. Günter Wehner

 

 

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Das Denkmal zu Ehren der Antifaschisten im Gamengrund

 

 

„Zu Fuß und mit dem Rad durch die Eiszeitrinne zwischen Petershagen/Eggersdorf und Tiefensee“. So das Motto einer jüngst erschienenen Broschüre über ein Wandergebiet, das sich bei Naturliebhabern und Wanderfreunden großer Beliebtheit erfreut. Um es gleich vorweg zu sagen, der Wanderer – sei er zu Fuß oder per Rad – wird nach der Lektüre der von Prof. Dr. Sydow herausgegebenen „Gamengrund-Tour“ Lust bekommen, eine der schönsten Landschaften in der Berliner Umgebung kennen zu lernen. Der Leser wird sachkundig über die Entstehung des Gamengrunds in der letzten Eiszeit informiert. Er erfährt viel über die Pflanzen- und Tierwelt, aber auch über historische Stätten, denen wir auf unserer Wanderung begegnen. So zum Beispiel über ein Königsgrab an der Gielsdorfer Mühle oder über den Burgwall in Spitzmühle. Unter anderem wird auch über ein Denkmal berichtet, das an den von Wilderern 1864 ermordeten Förster Carl Lissack erinnert.
Einige hundert Meter davon entfernt befindet sich im Gamengrund ein zweites Denkmal. Es erinnert an ein Ereignis aus den Jahren des zweiten Weltkriegs. Da wir aber darüber in der Broschüre nichts erfahren, einige Zeilen über dieses Mahnmal zu Ehren deutscher Widerstandskämpfer, die im Kampf gegen Faschismus und Krieg ihr Leben eingesetzt hatten.
Der 24. August 1941 war ein Sonntag. Viele Berliner wollten auf der Flucht vor der sommerlichen Hitze den Tag im Grünen verbringen. Der Zug nach Tiefensee, dem etwa 30 Kilometer im Nordosten der Hauptstadt gelegenen Erholungsort, war voll besetzt. Gewiß, der Krieg bedrückte die Gemüter, aber noch war ja alles gut gegangen. Seit dem Polenfeldzug hatte eine Sondermeldung nach der anderen von Vormarsch und Siegen berichtet. Daß seit einigen Wochen die deutschen Truppen auch in Rußland vorrückten , aber ein Ende noch nicht abzusehen war, das wurde von vielen im Glauben an die „Vorsehung des Führers“ einfach verdrängt.
Sicher traf das nicht auf alle Reisenden zu, die in Werneuchen oder Tiefensee ausgestiegen sind. Auf gar keinen Fall auf jene Frauen und Männer, die sich im Blumenthaler Forst – in Nähe des Gamensee – zu einem illegalen Treffen verabredet hatten. Es waren etwa 50 Antifaschisten, die sich auf einer abgelegenen Waldlichtung zu einer geheimen Beratung versammelten. Der Überfall auf die Sowjetunion hatte nicht nur Kommunisten, sondern auch andere Widerstandskämpfer alarmiert. Die Nachrichten waren spärlich, eine nüchterne Einschätzung der Situation war dringend erforderlich, denn jeder spürte, daß der Kampf gegen die Weltherrschaftspläne der Faschisten in ein entscheidendes Stadium getreten war.
Der Leiter der Berliner Widerstandsgruppe, Dr. Josef Römer, berichtete über die militärische Lage. Seine Informationen und Argumente bestärkten die Zuversicht seiner Genossen, die unter dem vollen Einsatz ihres Lebens den illegalen Kampf gegen das Hitlerregime führten. Trotz aller Erfolge werde der „Rußlandfeldzug“ Hitlers mit einer Niederlage enden. Römers Ausführungen wurden ergänzt durch den Bericht von Willy Sachse, der eine Widerstandsgruppe im Berliner Arbeiterbezirk Neukölln leitete. Er sprach über die zunehmende Verschlechterung der Lebensverhältnisse im faschistischen Deutschland und die wachsenden Schwierigkeiten in der Rüstungsindustrie.
Nach dem Treffen im Gamengrund verstärkten die Antifaschisten ihren Widerstand gegen das Naziregime. Aber im Februar 1942 wurden viele jener Antifaschisten, die sich im Sommer zu dem Meeting im Gamengrund getroffen hatten, verhaftet.
Ein Spitzel hatte sich in ihre Reihen eingeschlichen und wurde zum Verräter an die Gestapo. Folterungen und hohe Haftstrafen waren die Folge, viele von ihnen wurden zum Tode verurteilt.
Mitglieder der VVN, der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes, haben ihren von den Faschisten ermordeten Kameraden 1974 im Gamengrund ein Denkmal gesetzt. Auf einer Bronzetafel lesen wir die Namen jener Antifaschisten, die sich im Kampf um ein friedliches und demokratisches Deutschland besondere Verdienste erworben haben: Dr. Josef Römer, der Initiator des Gamengrund-Treffens, wurde am 17. Novvember 1892 in München geboren. Seit 1932 war er Mitglied der KPD, am 25. September 1944 wurde er hingerichtet. Hans Sachse, am 7. Januar 1896 in Leipzig geboren, war von Beruf Mechaniker. Er war Mitglied der KPD und wurde am 21. August 1944 hingerichtet. Fritz Riedel, in Berlin am 6. März 1909 geboren, war von Beruf Metallgießer. Er war Mitglied des Arbeitersportvereins „Fichte“ und wurde ebenfalls am 21. August 1944 hingerichtet. Kurt Ritter, am 31. Dezember 1909 in Ostramonde in Thüringen geboren, von Beruf Landarbeiter und Weber, Mitglied der KPD, wurde am 28. August 1944 hingerichtet.
Es ist inzwischen zur Tradition geworden, daß die Mitglieder der Strausberger DKP mit Freunden und Sympathisanten den Gedenkstein im Gamengrund besuchen. Er ist zu einem Ort des Nachdenkens über den Sinn unseres politischen Handelns geworden, zu einem Ort des Erinnerns an das Vermächtnis jener Antifaschisten, die sich im Gamengrund im Zeichen des Widerstands gegen die faschistische Barbarei versammelt hatten.

Prof. Dr. Erich Kundel

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Symbolvernichter

 

 

Mit Hammer und Sichel haben die im Osten ihre Broiler zerlegt und die angenagten Knochen hinter sich geworfen, Wodka dazu getrunken, bis sie Sterne sahen, rote, versteht sich. Und das taten sie, bis die halbe Sonne aufging. Im blauen Kreis reichten sie sich die Hände vor flatternder roter Fahne, griffen zum Hammer und kloppten den Zirkel in den Ährenkranz. Ein paar Ähren fielen für die Bauernpartei ab. Sie nahm sie, verruchte, in ihr Wappen. Wer nach solchem Tun gerade über die Straße gehen konnte, bekam die Goldene Eins. Im Winter schmolzen Schneekristalle vom Manöver Schneeflocke durch die drei Flammen der Pionierabzeichen der Halstuchträger. Der abgehackte nackte Arm, der das bajonettbestückte Gewehr mit der Fahne hält, auf grauem Schildgrund und die grauen Uniformen bleiben nun mal Sinnbilder der SED-Stasi-Unrechtsdiktatur. Die mit fdj-blauer Abgasfahne tuckernden Trabbis sind aus dem Straßenbild verschwunden, also gehört alles andere nun endlich verboten. Wirr ist das? Keineswegs. Der Vorsteher einer bundesgeförderten Einrichtung im Berliner Stadtteil Hohenschönhausen strebt das Verbot von DDR-Symbolen an. Zu gerne möchte er kopieren, was in baltischen Staaten zum Gesetz erhoben wurde: Strafen für das Zeigen der „Schlüsselsymbole des Kommunismus“. Historiker, Vertreter von Opferverbänden, CDU-Politiker beschwatzte er in diesem Sinne und die ließen ihn selbstverständlich gewähren. Man war sich schließlich einig, dass allerdings das gesellschaftliche Klima geändert werden müsse, bevor es zu den geforderten Verboten kommen könne. Davor sei wofür wir unsere Abzeichen für Gutes Wissen in Gold, Silber und Bronze bekamen, denkt sich

Till

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DerFriede im Osten von Erik Neutsch
Fünftesund letztes Buch: Plebejers Unzeit oder Spiel zu dritt

 

 

Am 20. August 2013 starb Erik Neutsch, kurz vor der Vollendung seines Fünften Bandes „Der Friede im Osten“. Die Idee zu diesem Romanzyklus kam ihm bereits als Student, „nachdem mir klar geworden, was mit mir während der Zeit des Nachkrieges geschehen war: Ein Aufbruch im Denken, die Suche nach einem reinen Gewissen. …Ich begriff, daß mir dergleichen nur würde gelingen können unter den neuen, antifaschistischen Verhältnissen, deren oberstes Gesetz es war, mit den Trümmern der niedergebrannten, verfeuerten Städte zugleich den Schutt in den Köpfen wegzuräumen. …“
1974 erschien dann der erste Band des Romanzyklus. Die Handlung beginnt mit dem Ende des Krieges. Sechs Bände waren geplant. Mit dem letzten Buch, unter dem Titel „Jahre der ruhigen Sonne“, sollte der Zyklus im Jahre 1985 (später mit dem Anschluß 1990) ausklingen. Dazu kam es nicht mehr. Der fünfte Band bricht 1972 ab während einer Filmuraufführung, die in einem Fiasko endet. Hinter dem fiktiven Ereignis verarbeitete Neutsch seine Enttäuschung über die Absetzung der Verfilmung seines Romanes „Die Spur der Steine“. Das letzte Kapitel fehlt gänzlich. Es sollte eine Aussprache zwischen der Hauptfigur und Matthias Münz, alias Horst Sindermann, über „Kunst für das Volk“ enthalten. So ist der Zyklus „zum Dokument einer unvollendet gebliebenen Gesellschaft“ geworden.
In dem spannend erzählten Lebensweg des einstigen Proletarierjungen Achim Steinhauer spiegelt sich die Entwicklung der DDR wider, mit ihren Höhen und Tiefen, Widersprüchen und Krisen. „Der Friede im Osten“ ist ein Epochenroman und gleichzeitig sein persönlichstes Werk, sozusagen ein autobiographisch gefärbter Entwicklungsroman. Um die Hauptfigur spannt sich ein Netz von Beziehungen und Begebenheiten. Von zentraler Bedeutung ist die Liebesgeschichte zwischen Achim und Ulrike. Auch sie durchlebt ihre Krisen, im fünften Band als Ehebruch „oder Spiel zu dritt“. Einen großen Raum nehmen die Arbeiten an der Verfilmung der Romanerzählung „Der Grimm“ ein. Historische Ereignisse werden vedichtet, durch die Figuren reflektiert. Mit viel Einfühlungsvermögen und Menschenkenntnis schildert Neutsch die Seelenzustände und die unterschiedlichen Auffassungen seiner Figuren, die oft auf authentische Personen hinweisen, Bereiche des gesellschaftlichen Lebens vertreten. Durch Ulrike, der „die Organisation des Polytechnischen Unterrichtsfaches zugefallen war“, werden die Veränderungen im Schulsystem der DDR thematisiert.
Sein Protagonist Achim Steinhauer besinnt sich immer wieder auf literarische Traditionen, besonders auf Georg Büchner, mit dem ihn eine Art Seelenverwandtschaft verbindet. Beide finden aus der Naturwissenschaft den Weg zum Schriftsteller. Auf einer Lesereise durch die BRD hält Achim Steinhauer den abstrakten Freiheitsvorstellungen der wesdeutschen Linken Büchners Forderung entgegen: „Friede den Hütten, Krieg den Palästen!“ Freiheit ist „eine höchst konkrete, soziale Daseinsform“. Um sie zu erreichen, muß man doch erst einmal „die Herrschaft der bisherigen Gewalttäter beseitigen. Die der Großbourgeoisie, der Banken und Konzerne.“ Die DDR hat die Konsequenzen aus der Geschichte gezogen und das Großkapital enteignet. Aber nach der Meinung des Autors wurde die sozialistische Revolution in der DDR zu früh aufgegeben oder Entwicklungen abgebrochen, wie Ulbrichts Projekt des Neuen Ökonomischen Systems – eine der Möglichkeiten, den Sozialismus schöpferischer zu gestalten. Der Sozialismus bedarf der Mitwirkung „leidenschaftlich tätiger“ Menschen, erst dann beginnt des „Plebejers“ Zeit.
Erik Neutsch hat den realen Sozialismus in der DDR, der ihm den Weg zum Schrifsteller ermöglichte, stets kritisch begleitet. Er dachte aber niemals daran, seine sozialistische Haltung aufzugeben, weil er den humanistischen Auftrag der DDR zu schätzen wußte. Deshalb heißt der Zyklus „Friede im Osten“ – und nicht im Westen. Der Roman blickt nicht nur zurück auf „das entlegene Land, das mancher tadelt mehr, als daß ihm ist bekannt“. Man kann ihn auch als Entwurf einer künftigen Gesellschaft lesen, gegen den Mainstream einer postmodernen Zeit.

Ulla Ermen

Erik Neutsch
Der Friede im Osten – letztes Buch
Plebejers Unzeit oder Spiel zu dritt
Verlag Das neue Berlin – 2014
476 Seiten – 24,99 EUR

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