Rede Hans-Peter Brenner

Anlässlich des 70. Todestag von Ernst Thälmann

Liebe Genn/Gen !

Im Verlauf des heutigen Vormittags und auch im Verlaufe der jetzigen Ehrung hier vor dem Thälmann-Denkmal wurden und werden noch zahlreiche richtige Worte zur Bedeutung von Ernst Thälmann als Antifaschist und Kommunist gesprochen.
Es waren Thälmann und seine Partei, die KPD, die den entschiedensten Kampf gegen die drohende Diktatur des Hitlerfaschismus führten. Sie warnten bei den Reichspräsidentenwahlen 1931 vor der Politik des „kleineren Übels“, zu der die SPD aufrief, als sie die Leitfigur des deutschen Militarismus, den Weltkrieg I – Generalfeldmarschall Hindenburg zur Wahl empfahl.
Thälmann und die KPD erkannten und sagten:
„Wer Hindeburg wählt, wählt Hitler! Wer Hitler wählt, wählt dern Krieg!“
Im Widerstand gegen Faschismus und Krieg opferten 100.000 der damals 300.000 KPD-Mitglieder ihr Leben und ihre Freiheit. Darunter Ernst Thälmann ihr Vorsitzender – unser Vorsitzender.
Als stellv. Vors. der DKP möchte ich nun zur Bedeutung des Thälmannschen Erbes für die Arbeit der DKP sprechen.
Ich beginne mit einigen persönlichen Bemerkungen. Ich gehöre der sog. „68er-Bewegung“ der alten BRD an. Im Winter 1968 habe ich in Hamburg, der Stadt Ernst Thälmanns, mein Studium begonnen. Der Name Thälmann bedeutete mir, dem ehemaligen Klosterschüler, damals gar nichts. Die drei Buchstaben KPD sagten mir inhaltlich auch nichts. Ich hatte zwar vom Verbot der KPD gehört und irgendwie auch den Namen des KPD-Vorsitzenden Max Reimann schon als Kind im Radio aufgeschnappt, aber was die Kommunisten waren und wollten , das wusste ich nicht. Auch wenn ich selbst aus einer armen Arbeiter- und Flüchtlngsfamilie des 2. Weltkrieges stammte, die kein Wirtschaftswunder kennengelernt hatte.
Ich wusste vor allem und fast nur, dass die Kommunisten für die „Mauer“ in Berlin waren. Das war wohl in meiner Genration ganz typisch. Und das sprach damals bei uns „Wessis“ nicht für, sondern gegen die Kommunisten.
Vor diesem Hintergrund von Naivität und Nichtwissen erlebte ich dann 1970 bei einer Flugblattaktion meiner damaligen maoistischen Organisation im Hamburger Hafen erstmals leibhaftige kommunistische Hafenarbeiter, die sich einfach vor uns Studenten aufbauten und den anrückenden Kollegen ihre eigene DKP-Betriebszeitung in die Hände drückten, während wir ziemlich kleinmütig und sprachlos von der übergroßen Masse der Hafenarbeiter links liegen gelassen und ignoriert wurden.
Auch das war ein Anstoß für mich darüber nachzudenken, was es denn mit der neuen KP namens „DKP“ auf sich hatte, die wir als „Revisionisten“ verachteten.
Im März 1972 trat ich dann in die DKP ein. Damals lebten in Hamburg noch viele Kampfgenossen von Ernst Thälmann, die von 1956 bis 1968 in den illegalen Zirkeln und Gruppen der KPD zusammenhielten, um dann – wie überall in der BRD – im Herbst 1968 als DKP wieder legal aufzutreten. Die Zeit war reif gewesen, dass die illegale KPD die Chance für die Neukonstituierung als DKP nutzten.
Diese neuformierte legale KP namens DKP war von Beginn auch die Partei Ernst Thälmanns. Die DKP lernte ich nicht nur aus der Theorie ode der Arbeit an der Uni kennen. Ich erinnere mich an den ehemaligen „Leibwächter“ von Ernst Thälmann, den Genossen Albert Friedrich, der uns als jungen DKP Migliedern so lebhaft berichten konnte, wie er, nachdem „Teddy“ 1925 Parteivorsitzender in Berlin geworden war, bei seinen Heimatbesuchen in Hamburg mit entsichertem Revolver in der Hosentasche begleitete. Albert konnte lebhaft schildern, wie Enst Thälmann die Stimmung der Arbeiter und kleinen Selbständigen in Hamburg Eppendorf bei bewussten Kneipenrunden und beim Skatspielen auslotete.
Er war kein Bürokrat geworden. „Teddy“ blieb der mit seiner Klasse verbundene und in ihr verwurzelte Hafenarbeiter und Proletarier. Und wir jungen DKP-Mitgliede waren stolz, als wir 1972/73 mithelfen konnten, das neue Parteibüro der Hamburger Hafengruppe der DKP am Baumwall mit einzurichten. Wir wussten, das war im Sinne unseres von den Nazis ermordeten früheren Parteivorsitzenden.
1973 erlebte ich in Hamburg dann auch, wie der mittlerweile zum Ehrenvorsitzende der DKP gewählte langjährige KPD Vorsitzende Max Reimann eine Veranstaltung zum 50. Jahrestag des von Ernst Thälmann geleiteten Hamburger Aufstandes eröffnete. Ich erinnere mich an sein verschmitztes Lächeln, als er sich im Saal mit den vielen jungen Genossinnnen und Genossen umschaute und wie er dann regelrecht mit der Zunge schnalzte und dann laut in den Saal hinein sagte: “Die DKP, die Partei Ernst Thälmanns, ist eine junge Partei!“
Ja, die DKP war damals von ihrer Mitgliederstruktur eine Partei mit vielen jungen Menschen. Aber sie lernten von der Generation, die mit Ernst Thälmann groß geworden war: Sie lernte von Albert Friedrich, von Hein Fink, dem früheren Hamburger KPD-Vorsitzenden von Harry Naujoks , dem ehemaligen Lagerältesten des KZ Sachsenhausen, von Jan Wienecke und vielen anderen, die Thälmann noch persönlich erlebt hatten.
Ich erinnere mich besonders an diese Veranstaltung zum Gedenken an den Hamburger Aufstand von 1923, der damals das Signal für einen gesamtdeutschen Aufstand hatte sein sollen, der jedoch in letzter Minute abgesagt wurde. Die nun alt und grau gewordenen Gefährten und Genossen Thälmanns schilderten, wie sie mit wenigen Gewehren Hamburger Polizeiwachen im Sturm nahmen, sich dort mit Waffen versorgten und dann mit nur 300 Kämpfern einer Übermacht von Polizei und Reichswehr auf den Barrikaden von Hamburg-Barmbeck Widerstand leisteten.
Ernst Thälmann erkannte schließlich, dass zum Revolutionär-Sein nicht nur die Offensive, sondern auch der kluge Rückzug gehört. Auf Grund des geordneten und diszipliniertenVorgehens unserer Genossen wurden unnötige Opfer auf der Seite der KPD vermieden.
In diese DKP von Thälmannschen Schlag traten wir ein. Unsere Generation sammelte Erfahrungen mit Berufsverboten und neuer Verfolgung. Wir lernten von der Thälmann-Generation und von den Genossinnen und Genossen der KPD das ABC des Klassenkampfes. Der erste Vorsitzende der DKP war Kurt Bachmann, Mitglied der KPD seit 1932. Er war Auschwitz- und Buchenwald-Häftling gewesen. In der Zeit der Illegalität zwischen 1956 bis 1968 war er mit Max Reimann Mitglied des Sekretariats der KPD. Sein Nachfolger war Herbert Mies, bis 1956 Leiter der Zentralbüros der verbotenen westdeutschen FDJ und später ebenfalls Sekretär des Politbüros der KPD.
Und so könnte ich viele andere Namen aus der Thälmannschen KPD nennen, die uns politisch erzogen und formten: Ich nenne nur noch stellvertretend Robert Steigerwald und Willi Gerns.
Mit und in dieser von der Thälmann KPD geprägten DKP hatten wir bis 1989 nicht wenige Erfolge und mussten auch Niederlagen einstecken. Die größte war die gemeinsame Niederlage der drei marxistisch-leninistischen Parteien der SED in der DDR, der SEW in West-Berlin und unserer DKP im Jahre 1989/90, als die Konterrevolution über die Parteien und die politische Erben Ernst Tälmanns siegte.
Wir, die DKP, haben nach 1990 weder kapituliert, noch uns aufgegeben.Wir haben aus Ernst Thälmanns politischem Nachlass zwar nicht immer gleich die richtigen Schlussfolgerungenm gezogen, aber eines haben wir auf jeden Fall richtig gemacht- so wie er es gewollt und auch gemacht hätte.
Wir haben die DKP erhalten. Wir haben uns als marxistisch-leninistische Partei über einige Seitenwege und Nebenstrecken hinweg auf den Weg der von der Thälmannschen Partei gezogenen Lehren besonnen.
In der DKP sind nach 1989 Genossinnen und Genossen aus der SED und der SEW organisiert, darunter viele unsere bis heute aktiven älteren Genossen in Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen.
Zusammen gehen wir – auch in der Zusammenarbeit mit anderen kommunistischen Organisationen – den von Thälmann und seiner Partei vorgezeichneten revolutionären Weg weiter, der da lautet.
Die Arbeiterklasse braucht in jeder Phase eine kommunistische, klassenbewusste Partei, ausgestattet mit dem Wissen um ihre Geschichte, besonders der Geschichte der DDR, die die größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterklasse war und bleibt.
Die Arbeiterklasse und alle Werktätigen brauchen eine selbstbewusste autonome Klassenpartei, ausgerüstet mit der lebendigen Theorie und Wissenschaft des Marxismus-Leninismus.
Die Kommunisten unterscheiden sich auch heute von allen anderen Linken, die sich auf den Weg der alten oder neuen Sozialdemokratie und des Reformismus begeben haben und die mit nebulösen Strategiespielchen von „revolutionäer Realpolitik“, oder „einfacher“ oder auch „doppelter“ Transformationsstrategie einem ebenso nebulösem Bild eines demokratischen Soialismus hinterherlaufen.
Die Kommunisten verschmähen es, nicht klar und deutlich zu sagen, was sie wollen. Wir wollen den revolutionären Bruch mit dem System der Ausbeutung von Menschen und Natur. Wir setzen auf die revolutionären Potenzen der Arbeiterklasse; wir gehen auch weiter über Höhen und Tiefen den Weg der uns durch breite antimonopolistischen Bündnisse dazu befähigt, deutliche Schritte hin zu diesem revolutionären Bruch zu machen und Übergänge zur sozialistischen Umwälzung zu finden und neue Wege dahin zu eröffnen.
Wir bekämpfen Rassismus, Militarismus und Faschismus – auch in seiner ukrainischen Spielart.
Das sind unsere Aufgaben als einer Partei im Sinne Ernst Thälmanns.
Das ist der Auftrag an die Deutsche Kommunistische Partei.
Diesen Auftrag nehmen wir an.

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