„Tag der Arbeit“?

„Tag der Arbeit“? 1. Mai: eine historische Betrachtung wider die Massenverdummung in diesem Land

Es waren die deutschen Faschisten mit ihrer „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei“ (NSDAP), die im Reichstag mit Gesetz vom 10. April 1933 diesen Tag als „Feiertag der nationalen Arbeit“ deklarierten. Diese NSDAP hatte weder den Sozialismus als Zielstellung noch die Absicht die nationale Arbeit für friedliche Zwecke im Interesse des deutschen Volkes zu organisieren.
Nach dem 1. Weltkrieg, der gescheiterten Novemberrevolution, nach den politischen Wirren der Weimarer Republik und nach der Weltwirtschaftskrise war das der psychologisch äußerst geschickte Appell der Nazis an die beinahe sieben Millionen Arbeitslosen, die Dinge in die Hand zu nehmen, Ordnung zu schaffen und zu zeigen, am deutschen Wesen kann die ganze Welt genesen.
Das Perfide an dieser Entwicklung ist die Zielstellung der Nazis – Arbeit zur Vorbereitung eines neuen Krieges. Außerdem ist die Verwendung der Begrifflichkeit „Tag der Arbeit“ eine Vergewalti-gung historischer Fakten und Zusammenhänge.
Der Erste Mai als Kampftag der Arbeiter geht, historisch betrachtet, auf das Jahr 1886 zurück.
Am 1. Mai riefen nordamerikanische Arbeiter zum Generalstreik auf. Ihre Forderungen waren die Durchsetzung des Achtstundentages und bessere Löhne. Seither gilt der 1. Mai 1886 als ein Ur-sprung des Klassenbewusstseins der Arbeiter in den USA und darüber hinaus.
1889 tagte der 1. Kongress der II. Internationale in Paris und verkündete, den 1. Mai als Kampftag der Werktätigen zu begehen – als trotziges Fanal, das der Welt des Kapitals entgegengestellt werden muss. Der Kongress rief die Arbeiter aller Länder auf, am 1. Mai 1890 für den  Achtstundentag und für internationale proletarische Solidarität zu demonstrieren. Seither ist der 1. Mai ein inter-nationaler Kampftag.
Aus diesem historischen Blickwinkel wird die wahre Absicht des Kapitals und seiner Erfüllungsge-hilfen von der Sozialdemokratie aller Couleur sichtbar. Man fürchtet die politische Sprengkraft der organisierten Masse der lohnabhängig Beschäftigten wie der Teufel das Weihwasser!
Deshalb muss der ursprüngliche Charakter des 1. Mai verwischt und vertuscht werden, er darf nicht mehr für die Werktätigen erkennbar sein. Außerdem ist diese Begrifflichkeit, „Tag der Arbeit“, eine hinterhältige Verhöhnung all derer, die keine Arbeit haben oder die in prekären Arbeitsverhältnissen ihre Arbeitskraft verkaufen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
Jegliche Erinnerung daran, dass soziale Errungenschaften in der kapitalistischen Marktwirtschaft auf der Straße erkämpft werden müssen, wird mit allen Mitteln der Massenmanipulation unter-drückt. Wen wundert es also, dass heute vielerorts der 1. Mai als Frühlingsfest der Familie, völlig entpolitisiert, begangen werden soll und begangen wird.
Diese bereitwillige Anpassung – Opportunismus – an das bestehende Gesellschaftsmodell ist genau das, was das Kapital zum eigenen Machterhalt braucht.
Für Kommunisten ist und bleibt der 1. Mai der internationale Kampftag aller Werktätigen.
Eine Grunderkenntnis aus der Entwicklungsgeschichte der menschlichen Gesellschaft ist die, dass die Widersprüche die Triebkraft der Entwicklung sind.  Wir wissen, dass die tiefgreifenden Wider-sprüche des Kapitalismus – ökonomische, ökologische, gesellschaftspolitische u.v.a.m. innerhalb dieser Gesellschaftsordnung nicht lösbar sind.
Die Marxsche Erkenntnis vom Zusammenhang zwischen Kapital und Profit ist heute so aktuell wie vor 160 Jahren. Alleinn diese Erkenntnis belegt die wahren Ursachen der Kriege in den vergange-nen 250 Jahren.
Der 1. Mai als internationaler Kampftag aller Werktätigen ist für uns Anlass und Verpflichtung, Verständnis und Bereitschaft bei möglichst vielen Menschen zu entwickeln, um den Teufelskreis – Kapital, Krise, Krieg – zu durchbrechen, ihnen die systemeigenen und tagaktuellen Widersprüche sichtbar zu machen, diese anzuprangern und für unsere Alternative zu werben.
Kriege sind kein Gesetz der Natur – Kriege sind die Fortsetzung der Politik mit militärischen Mit-teln. Wir wenden uns gegen eine derartige Politik und fordern die Beendigung aller derzeitigen Kriege und die Befriedung gegenwärtiger Konfliktherde in aller Welt.

Andreas Zieger

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