Von bleibendem Wert – zum Jahrestag der DDR

Über mehr als vier Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts bestanden auf deutschem Boden zwei Staaten, die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland, die sich grundlegend, in ihrem ganzen Wesen und Charakter unterschieden.

Die Spaltung Deutschlands wurde im Herbst 1949 zum Zwecke der Sicherung der Macht des Kapitals auf deutschem Boden durch das Zusammenspiel der deutschen Großbourgeoisie und der verantwortlichen Politiker der USA, Großbritanniens und Frankreichs sowie mit aktiver Unterstützung der rechten sozialdemokratischen Führer vollzogen. Dieser Staat bekannte sich von Anfang an zur Fortsetzung des Deutschen Reiches und seiner Politik. Als Gegenmaßnahme wurde der andere deutsche Staat, die Deutsche Demokratische Republik, am 7. Oktober 1949 gegründet. Sie ist aus dem Kampf um die Verwirklichung der Ziele der Arbeiterbewegung und aller anderen demokratischen und fortschrittlichen Kräfte des Volkes für ein Deutschland des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus hervorgegangen. Seit 1945 hatten diese Kräfte einen beharrlichen Kampf geführt, damit eine demokratische und friedliebende Regierung für ganz Deutschland entstehe. Die Bedingungen, unter denen die Prozesse der Auseinandersetzung zwischen den zwei Lagern stattfanden, waren nicht nur durch die materiellen Zerstörungen gekennzeichnet, die durch den Krieg des deutschen Imperialismus hinterlassen wurden.

Die Menschen standen vor riesigen Zerstörungen auch im geistigen Bereich. Ein großer Teil verstand die politischen Zusammenhänge nicht. Sie erkannten nicht, dass die wahre Ursache für die nationale und internationale Katastrophe im System des Imperialismus und Militarismus zu suchen war und dass bei Weiterbestehen dieses Systems auch die Gefahren weiter bestehen. So froh die Menschen waren, den Krieg überlebt zu haben, so einig sie sich auch darin waren, dass etwas Neues kommen müsse, so unklar war ihnen der Weg in die Zukunft.

In dieser Situation meldete sich die Kommunistische Partei Deutschlands als erste Partei in Deutschland zu Wort und Veröffentlichte den Aufruf vom 11. Juni 1945. Darin wurde das deutsche Volk auf die demokratische Erneuerung Deutschlands orientiert. Die Kommunisten und mit ihnen die aufrechten antifaschistischen Kräfte machten nicht die Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen zum Ausgangspunkt ihrer Politik, sondern den Gedanken der demokratischen Erneuerung in ganz Deutschland, den Kampf um die einheitliche demokratische Republik. Dem folgte auch der Zentralausschuss der SPD mit dem Appell an die Bevölkerung vom 15. Juni 1945. Die KPD appellierte eindringlich an das deutsche Volk, die Lehren aus der Geschichte zu ziehen und einen neuen Weg zu beschreiten. Die entscheidenden Interessen des deutschen Volkes bestünden im „Weg der Aufrichtung eines antifaschistischen, demokratischen Regimes, einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen Rechten und Pflichten für das Volk“. (Aufruf vom 11.6.1945) Diesem Ziel stimmte auch der Zentralausschuss der SPD ausdrücklich zu.

Die Gemeinsamkeiten zwischen beiden Parteien mündeten in festen Aktionsvereinbarungen, in deren Verwirklichung die Einheit beider Parteien hergestellt und eine Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Kampf für die demokratische Einheit Deutschlands und einen gerechten Frieden geschaffen wurde.

Unter der Schirmherrschaft der westlichen Besatzungsmächte verhinderte die rechte Führung der Sozialdemokratie, dass der Kampf in ganz Deutschland erfolgreich geführt werden konnte. Sie begünstigte die Politik der Bourgeoisie, die auf Rettung des Kapitalismus und auf Spaltung ausgerichtet war. Dem wirkte die Volkskongressbewegung für Einheit und gerechten Frieden entgegen, die sich zu einer umfassenden demokratischen Bewegung entwickelte Im Mai 1949 fanden allgemeine geheime Wahlen zum III. Deutschen Volkskongress statt. Seine demokratisch gewählten Mitglieder haben sich, nach der Spaltung Deutschlands durch das deutsche Kapital und seine Verbündeten, zur Provisorischen Volkskammer konstituiert, die ihrerseits die Deutsche Demokratische Republik ausgerufen hat. Ein grundlegend neuer, demokratisch legitimierter deutscher Staat war entstanden!

Er war Antwort auf die von den Westmächten und den Vertretern des deutschen Kapitals vertretenen Politik und Ergebnis des Kampfes um ein antifaschistisch-demokratisches und friedliebendes Deutschland.

Prof. Dr. Anton Latzo
Leiter der Geschichtskommission beim Parteivorstand der DKP

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