Walter Ulbricht – meine Sicht Zum 120. Geburtstag von Walter Ulbricht – Auszug

n Walter Ulbricht sah und sehe ich nicht nur einen hervorragenden Repräsentanten der DDR, sondern auch der gesamten deutschen Arbeiterbewegung. Sein Leben und Wirken, seine Tätigkeit hat er der Befreiung der Menschen von Ausbeutung und Unterdrückung gewidmet.

Walter Ulbricht war ebenso ein aktiver Vertreter und Verfechter des proletarischen Internationalismus innerhalb der Kommunistischen Internationale und später der kommunistischen und Arbeiterbewegung.

Sein Leben und Wirken standen stets im Zusammenhang mit den Bemühungen um die Herausbildung einer Partei, die, gestützt auf die Erkenntnisse von Marx, Engels und Lenin, in der Lage war, die Entwicklung der Gesellschaft auf wissenschaftlicher Grundlage zu erfassen und sie im Interesse der arbeitenden Menschen und des gesellschaftlichen Fortschritts umzugestalten.

Persönlichen Kontakt zu Walter Ulbricht erhielt ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Dolmetscher für rumänisch, die ich im Verlaufe vieler Jahre für die Partei- und Staatsführung der DDR mit rumänischen Repräsentanten ausgeübt habe. Dabei habe ich auch Gespräche zwischen Walter Ulbricht und rumänischen führenden Politikern gedolmetscht und ihn so im persönlichen Umgang erlebt…

Mir ist bewusst geworden, dass sich meine Haltung zu Walter Ulbricht nicht nur und nicht primär in den kurzen persönlichen Kontakten herausgebildet hat. Sie war und bleibt eingebettet in mein Verhältnis zur Theorie von Marx, Engels, Lenin, in die Kenntnisse über die Geschichte des Kampfes der deutschen Arbeiterbewegung, die ich mir im Verlaufe meines politischen und beruflichen Werdegangs angeeignet habe. …

Eine allgemeine Eigenschaft Walter Ulbrichts, die mich stark beeindruckte, und die ich in den Beschreibungen von Herbert Graf und anderen sachkundigen Biographen von Walter Ulbricht wieder gefunden habe, war sein Grundsatz, an den Dingen so lange dran zu bleiben, bis sie durchschaut wurden. …

Natürlich gab es im Leben und Schaffen Walter Ulbrichts auch politische und persönliche Unzulänglichkeiten und Einseitigkeiten. Jeder Mensch hat nicht nur Tugenden, sondern auch Fehler. …

Es gibt heute zu viele Autoren, die sich auch noch als objektive Beobachter titulieren, die die erstgenannten Eigenschaften betonen und in aller Breite behandeln, aber die anderen Charakteristika irgendwo im Nichts versinken lassen. Sie zeichnen ein Bild, das in der heutigen Gesellschaft Verbreitung findet, das aber nur denjenigen nutzt, die „ihn herabzusetzen“ trachten, weil sie die Ideen des Sozialismus bekämpfen und den Antikommunismus praktizieren.

Walter Ulbrichts Leben und Werk vermitteln wichtige Erfahrungen des Kampfes der revolutionären deutschen Arbeiterbewegung im 20. Jahrhundert. Er hat als Mitglied der Parteiführung einen Weg ins Neuland beschritten. Die Analyse, schöpferische Verwertung und Weiterführung seiner Ideen in den Kämpfen unserer Zeit ist eine Lebensnotwendigkeit und eine Voraussetzung für die erneute Stabilisierung der Bewegung und für ihren Erfolg.

Es ist aber bedauerlich, dass das Lernen aus der eigenen Geschichte unter einem großen Teil der deutschen Linken in der Gegenwart bis zur Unkenntlichkeit verdrängt wird. …

Das Jubiläum sollte deshalb zum Anlass genommen werden, die antikommunistische Hetze, die die Persönlichkeit von Walter Ulbricht und seine Leistungen verunglimpft und unglaubwürdig machen soll, mit Entschlossenheit zu entlarven. Es geht ja dabei nicht nur um die Person Walter Ulbrichts, sondern, indem man auf ihn einschlägt, will man die Linken, die revolutionäre Arbeiterbewegung treffen. Man will verhindern, dass die während des Wirkens von Walter Ulbricht gemachten positiven Erfahrungen für den antikapitalistischen und antiimperialistischen Kampf der Gegenwart nutzbar gemacht werden. Das dürfen wir nicht zulassen und aktiv dagegen vorgehen!

Anton Latzo

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