we want to have fun – Minderjährige bei der Bundeswehr

Und ich age: HÄNDE WEG von unseren Kindern

Mit 1.576 neuen minderjährigen Rekruten hat die Bundeswehr 2016 einen traurigen Höchststand bei der Ausbildung von Minderjährigen an der Waffe erreicht. 17-Jährige machen mittlerweile gut 10% der jährlichen neuen Rekruten aus.1

Wenn es Jugendliche nicht besser wissen, da sie schnell zu begeistern, zu beeindrucken und zu manipulieren sind, dann haben wir, die Erwachsenen in unserer Funktion als Eltern, Lehrer, als gesamte Gesellschaft die unbedingte Pflicht, dem Treiben der Rekrutierung Minderjähriger sofort Einhalt zu gebieten. Doch warum höre ich dann trotz aller Brisanz keinen Aufschrei, noch nicht einmal den der Mütter? Ist das Grauen der vergangenen 2 Weltkriege aus unseren Köpfen verschwunden? Sind wir blind bei den aktuellen Bildern von Kriegen in aller Welt, an denen auch Deutschland beteiligt ist?

Zu Beginn ein paar historische Fakten zur Bundeswehr. am 12.11.1955 gegründet, erhält sie den Namen „Bundeswehr“ am 1.4.1956; 3 Monate später wird aus der Freiwilligen- eine Wehrpflicht-Armee. Die Einführung der Wehrpflicht hat mehrere Gründe: die angestrebte Truppenstärke von 500.000 aktiven Soldaten + 700.000 Reservisten kann auf freiwilliger Basis nicht erreicht werden. (Wie interessant!) Gleichzeitig sollen Armee und deutsche Gesellschaft enger verbunden werden: Bundeswehrsoldat gleich „Staatsbürger in Uniform“. Im Bundestag wird der Wehrbeauftragte als Kontrollinstanz installiert. An ihn können Soldaten Beschwerden sowie Eingaben richten, wenn sie die Grundrechte missachtet sehen. Und aufgemerkt: per Grundgesetz ist die Bundeswehr als reine Verteidigungsarmee definiert; die Vorbereitung oder das Führen eines Angriffskriegs wird für strafbar und verfassungswidrig erklärt.
Zum 1.7.2011 wird die Aussetzung der Wehrpflicht und eine drastische Verkleinerung der Truppe von rund 240.000 auf bis zu 185.000 Soldaten beschlossen. Danach folgt ein kontinuierlicher Abbau.

Doch nun sucht das Verteidigungsministerium händeringend neue Soldaten für die Bundeswehr. Nach 25 Jahren werden ab 2017 neue Dienstposten für 7.000 Soldaten geschaffen und die Kölner Behörde (BAPersBw) soll die nötigen Bewerber rekrutieren. Aber bislang gelingt es nicht einmal, die vorhandenen 170.000 Planstellen für Berufs- und Zeitsoldaten zu besetzen. Zum Stand Ende Mai 2016 gibt es 166.818 Berufs- und Zeitsoldaten, im Januar 2016 waren es noch 167.896 – ein Trend, der eindeutig nach unten zeigt, also entgegen den Wünschen der Verteidigungsministerin, Frau von der Leyen (CDU).2
Was geht bloß im Kopf dieser Frau vor: Wenn also Volljährige nicht zu überzeugen sind, dann suchen wir uns eben Minderjährige? Sie selbst handhabt das in ihrer Familie allerdings anders – sehens- und hörenswerte 23 Sekunden O_Ton!
Frau von der Leyen befleißigt sich gerne der Doppelmoral. An den Tagen der offenen Tür bei der Bundeswehr sollen Kinder keine Waffen berühren dürfen, diese sollen lediglich als Anschauungsobjekte in Vitrinen zu sehen sein. Na ist das nicht lobenswert? 3

Und sie nimmt zur Zeit Abstand von der Wiedereinführung der Wehrpflicht. „Eine Rückkehr zur Wehrpflicht brächte uns aktuell überhaupt keinen Mehrwert“, sagte sie wörtlich, denn die Truppe sei gut aufgestellt mit jungen Menschen, die freiwillig kämen, um ihren Beruf mit hoher Professionalität auszuüben. Und gerne hätte sie mehr Bewerber mit Migrationshintergrund. Ich denke dabei spontan an den Begriff „Söldner“-Armeen, die psychologisch betrachtet für diesen Job weitaus besser geeignet scheinen als unwillige Wehrpflichtige.4

Auch deshalb haben an allen weiterführenden Schulen uniformierte Karriereberater allein in 2015 8.100 Vorträge vor fast 140.000 Schülern gehalten. Die mit Abstand meisten Schüler wurden damit in Bayern (48.160) und Nordrhein-Westfalen (31.113) erreicht.
Zusätzlich waren sogenannte Jugendoffiziere mit weiteren 3.200 Vorträgen sowie bei mehr als 2.000 weiteren Veranstaltungen – von der Podiumsdiskussion bis zur Karrieremesse – betraut. Diese Jugendoffiziere, besonders geschult für politische Debatten, erreichten den Angaben zufolge über Unterrichtsbesuche, Seminare oder Podiumsdiskussionen noch einmal 125.000 Jugendliche und mehr als 36.000 Multiplikatoren, vor allem Lehrer und Referendare.5

Darüber ist auch der UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes besorgt. Er hat deswegen schon Anfang 2014 Deutschland empfohlen, „das Mindestalter der Rekrutierung für die Streitkräfte auf 18 Jahre festzulegen und alle Formen von Werbekampagnen für die deutschen Streitkräfte, die auf Kinder abzielen, zu verbieten.“ Deutschland hat übrigens 2004 das Fakultativprotokoll „Beteiligung von Kindern an bewaffneten Konflikten“ zur UN-Kinderrechtskonvention mit erarbeitet und ratifiziert.6

Deshalb sehe ich es als dringend geboten, alle Schulen in Deutschland als „Militär freie Zone“ zu deklarieren und Bestrebungen seitens der Bundeswehr, in Schulen Werbe- oder Informations-Veranstaltungen abhalten zu wollen, abzulehnen. Kein Schnipsel Papier darf in Schulen zu Werbezwecken verteilt oder ausgelegt werden. Jeder Schulleiter und jedes Kollegium müssen dafür sensibilisiert werden, denn die entsprechende Entscheidungs-Befugnis hat jede Schule.

Und die Eltern? Ich mache noch einmal ganz deutlich: sie müssen ihr schriftliches Einverständnis geben, wenn ihre Kinder unter 18 Jahren zur Bundeswehr gehen wollen.
Was kann Eltern dazu bewegen? Unter anderem die Hoffnung auf einen sicheren Arbeitsplatz für ihre Kinder? Na ja, sie könnten im schlechtesten Fall getötet werden……aber das kommt eher selten vor…..während der Ausbildung. (Ich erlaube mir an dieser Stelle einen Schuss Zynismus, anders ist das nicht zu ertragen.)
Haben Eltern auch nur im entferntesten eine Vorstellung, was dort auf ihre Kinder zukommt? Zitat aus einer Publikation des „Deutschen Bündnisses Kindersoldaten“: „…sie unterschreiben Arbeitsverträge mit einer Dauer zwischen 2 und 12 Jahren. Nach einer Probezeit von 6 Monaten können sie die Bundeswehr nicht mehr regulär verlassen, die Freiwilligkeit ist damit nicht mehr gegeben. Sie werden mit erwachsenen Soldaten zusammen untergebracht und erhalten dasselbe militärische Training wie diese, auch an der Waffe.“7

Manch einer könnte meinen, die momentane Ausbeute bei den jugendliche Rekruten ist ja nicht groß, wenn man die absoluten Zahlen betrachtet, und deshalb auch nicht besonders Besorgnis erregend. Das sehe ich deutlich anders, denn alles, was fast unbemerkt und einschleichend vonstatten geht, entwickelt mit der Zeit eine neue Selbstverständlichkeit und erreicht letztendlich eine entsprechende Akzeptanz in der breiten Bevölkerung.
So funktioniert erfolgreiche Propaganda.

Ich lasse meiner Fantasie mal freien Lauf und stelle mir vor, dass in absehbarer Zeit ein Ausflugstag an Grundschulen angeboten wird: Ziel ein „echter Abenteuer-Spielplatz“ auf einem Truppenübungsplatz, für alle Kinder kostenlos – selbstverständlich. Allein bei der Vorstellung packt mich das Grauen.

Deshalb wehret den Anfängen und schützt die Kinder.

Quellen:

1 http://nrw.dfg-vk.de/themen/bundeswehr.html
2 https://www.welt.de/politik/deutschland/article156337306/So-verzweifelt-sucht-von-der-Leyen-neue-Soldaten.html
3 http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/tag-der-bundeswehr-von-der-leyen-will-keine-handwaffen-mehr-anfassen-lassen-14286671.html
4 http://www.spiegel.de/politik/deutschland/von-der-leyen-gegen-wiedereinfuehrung-der-wehrpflicht-a-1109726.html
5 http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bundeswehr-an-schulen-30-millionen-euro-fuer-nachwuchswerbung-a-1027935.html
6 http://www.fr-online.de/politik/bundeswehr-zahl-der-minderjaehrigen-rekruten-auf-hoechststand,1472596,34927130.html
7 Pdf-Datei „Minderjährige und Bundeswehr – Fakten, Risiken, Hintergründe“:

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